2011 Rede zum Neujahrsempfang

Meine Damen und Herren,
liebe Bürgerinnen und Bürger, liebe Gäste!

Sie alle begrüße ich herzlich! Ein Jahr ist schon wieder um. Die Zeit vergeht wahrlich im Fluge! Und so ist es gut, inne zu halten, zurück zu schauen, aber auch nach vorne zu schauen und darüber einander ins Gespräch zu kommen.
Das ist der Sinn des Neujahrsempfangs, und: sich im Bemühen um die Weiterentwicklung dieser schönen Gemeinde gegenseitig zu vergewissern. So freue ich mich, dass sie gekommen sind, in der Verbundenheit mit unserer Gemeinde. Die Programmpunkte auf der Bühne sollen immer Ausschnitte aus dem Leben der Gemeinde sein, vor allem aus der Nachwuchsarbeit und aus dem Ehrenamt.

Gestatten Sie mir, einige Anwesende besonders zu begrüßen:

- Vizepräsidentin des rheinland-pfälzischen Landtages und Landtagsabgeordnete Hannelore Klamm
- Landrat Clemens Körner mit Beigeordneten Herr Elster, Herr Reichert, Frau Patzelt
- Ehrenbürger und Bürgermeister im Ruhestand Heinrich Zier
- Beigeordnete Frau Schultheiß und Herr Dörfler sowie Damen und Herren des Gemeinderates
- Bürgermeister Klaus Frey
- 1. Polizeihauptkommissar und Leiter der Polizeiinspektion Schifferstadt, Herr Uwe Stein mit ehemaligem Kontaktbeamten Heinz Itschert und jetzigen Kontaktbeamten Bernd Krächan
- Oberstleutnant Erich Schäfer vom Kreisverbindungskommando Rhein-Pfalz-Kreis und Kompaniechef Hauptmann Marco Wahl mit einer Reihe von Kameraden unserer Patenschaft
- Vertreter der Kirchen, der Schulen, der Kindergärten, des Altenzentrums, der Vereine, der Sozialstation, der Fördervereine, der Elternbeiräte
- Die Klassensprecher unserer beiden Grundschulen
- Herr Thomas Streun, Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr und Ehrenwehrleiter Erwin Konradt mit Kameraden.
- Herr Dr. Regenberg, Herr Rech, sowie Herr Buchholz, BASF SE
- von der Kreissparkasse Rhein-Pfalz Vorstandsvorsitzender Herr Schnell, Vorstandsmitglied Frau Rottmüller
- von der VR-Bank Frau Boxheimer
- Herr Horst Köhler für die Rheinpfalz
- Meine Damen und Herren, vor rund einem Jahr ging eine Nachricht um die Welt: aus dem verschütteten Erdbebengebiet auf Haiti wurde eine ältere Frau nach 7 Tagen gerettet. Gefunden wurde sie von dem Spürhund „Pablo“. Pablo gehört Anja Fiedler. Frau Anja Fiedler ist Bürgerin von Limburgerhof und sie ist heute Abend mit ihrem Hund Pablo anwesend.
Verehrte Bürgerinnen und Bürger,

Limburgerhof feierte im vergangenen Jahr ein kleines Jubiläum: 80jähriges Bestehen.

Am 2. Januar 1930 schrieb die „Neue Pfälzische Landeszeitung“: „Mit dem neuen Jahr trat der Limburgerhof in die Reihe der selbständigen Gemeinden ein. Möge die neue Gemeinde erstarken, alle Schwierigkeiten mit Jugendkraft überwinden, und einer blühenden Zukunft entgegen gehen. Möge die neue Gemeinde den Bewohnern nach allen Richtungen hin zum Segen gereichen!“

Ich meine, diese Wünsche haben sich erfüllt. Limburgerhof ist eine starke Gemeinde. Viele derer, die heute Abend hier versammelt sind, haben daran mitgearbeitet und dabei die Ärmel buchstäblich hochgekrempelt, all’ die Jahre und auch heut! Ihnen gilt mein und unser Dank! Und wenn ich diese Jahre überblicke, dann meine ich: Die haben alles richtig gemacht - ja alles!

Und in allem was sie taten, hatten sie die nächste Generation, die Kinder, die Jungen und Mädchen im Blick! Dies zieht sich durch bis heute und ist sicherlich Grund dafür, dass auch heute viele junge Familien von unserer Gemeinde angezogen werden. Und die wiederum engagieren sich unglaublich in unseren Kindertagesstätten, in unseren Grundschulen, in den Vereinen, in den Fördervereinen, in den Kirchen.

Da geschieht viel Neues, viel Tragfähiges, vieles, was der Gemeinde Lebhaftigkeit und Vitalität verleiht. Aber weil wir soviel den Alten verdanken, ist es auch notwendig, sich ganz besonders um sie zu kümmern. Sie zu achten. In vielerlei Weise versuchen wir, das selbstbestimmte Leben im Alter zu fördern.

Ich bin sehr froh, dass sich das Mehrgenerationenhaus so großartig entwickelt als Plattform für alle Generationen, als lebendige Netzknüpfer.

Überhaupt entwickeln sich aus den alten Vereinsstrukturen heraus neue Berührungspunkte, neue Projekte. Beispiel 1: Der Tennisclub und die Fußballer der Sportgemeinde hauchen ihrer Nachbarschaft neues Leben ein! Beispiel 2: Die Feuerwehr fährt ihre Leiter aus, damit Frau Pastoralreferentin Doris Heiner die Ortsteile von oben segnen kann.
Dieses Zusammenfinden in gegenseitigem Interesse zum Nutzen des Gemeinwesens insgesamt: das sind spannende Entwicklungen in Limburgerhof!

Wir haben es gemeinsam geschafft, den traditionellen Weihnachtsmarkt weiter durchzuführen. Ein deutsch - französischer Schlemmermarkt ist hinzuge-kommen. Dieser wird auch in diesem Sommer stattfinden.
Ich rede im Augenblick von den „inneren Werten“ unserer Gemeinde.

Dazu gehört die 35jährige Partnerschaft mit Chenove. Ich kann nur immer wieder auffordern, die vielen Angebote der Begegnungen mit Chenove - wir hatten letztes Jahr insgesamt 16 Begegnungen - zu nutzen. Es bringt einen kulturell und menschlich weiter. Ich bestaune immer, welch hohen Stellenwert die Freundschaft mit Limburgerhof in Chenove hat. Jean Esmonin schrieb auch dieses Jahr goldene Wort an unsere Bürgerinnen und Bürger:
„Les rencontres réussies, dans le domaine de la jeunesse, portent en elles l’espoir d’une amitié solide et d’une paix durable…“
Auf Deutsch: „Die erfolgreichen Begegnungen im Jugendbereich sind Träger einer Hoffnung auf eine solide Freundschaft und einen bleibenden Frieden.“ Und weiter: „Wir müssen unsere Anstrengung in dieser Richtung fortsetzten und unermüdlich auf dem Gebiet der Völkerverständigung und der Entfaltung einer europäischen Staatsbürgerschaft weiterarbeiten. Die Festakte zum 35jährigen Jubiläum unserer Städtepartnerschaft haben uns die Gelegenheit geboten, unsere gegenseitige Wertschätzung durch symbolische Gesten und bleibende Geschenke zum Ausdruck zu bringen.“ Wie Sie wissen, gab es zum Jubiläum der Partnerschaft jeweils einen Festakt in Limburgerhof und in Chenove unter zahlreicher Beteiligung der Bürger. Bereits am Wochenende werden meine Frau und ich mit dem Ehepaar Zier zu den Feierlichkeiten des St. Vinzensfestes in Chenove fahren.

Auch die neue Patenschaft zur 8. Kompanie des Spezialpionierbataillons in Speyer ist für uns Grund zur Nachdenklichkeit und bedeutet ein großes Stück menschliche Verantwortungsübernahme. Mich erreichte in den Weihnachtstagen eine Feldpostkarte aus Feysabad, die mich sehr berührte. 10 Soldaten, die mit uns durch die Patenschaft verbunden sind, sind dort. Sie haben ein Foto geschickt, auf dem man sieht, wie unsere Gemeindefahne dort im Lager weht. Mein letzter Satz beim würdigen Feierlichen Gelöbnis am 07.06.2010 lautete: „Bleiben Sie unversehrt und bleiben Sie behütet.“ Wie wichtig diese Patenschaft für die Soldaten ist, wurde mir gestern Abend beim Neujahrsempfang der Bundeswehr in Speyer deutlich. Inzwischen gilt das Gelöbnis in Limburgerhof als historisch, denn es war eines der letzten.

Besonders hervorheben möchte ich das kulturelle Geschehen in Limburgerhof. Das ist schon enorm, was zum Beispiel Chöre, aber auch Frau Salten auf die Beine stellen. Vieles, sehr vieles wird geboten.

Als Verpächter sind wir natürlich zufrieden, dass das Restaurant „Medison am Rathaus“ gut angenommen wird. Über das kulinarische Angebot von Limburgerhof meine ich sagen zu können, es gibt für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas.
Ein Gemeinwesen weiterzuentwickeln bedeutet aber auch, so manche harte Fakten schaffen: Bauen, Sanieren, Erschließen. Und das im Rahmen der Finanzen, die uns aus den Bilanzen der Gewerbesteuerzahler und der Einkommensteuer und nach Abzug mehrerer Millionen Umlagen jährlich, z.B. an den Kreis übrig bleiben und diese klug einzusetzen.
Ich zeige einmal die Umlagen betreffend eine Relation auf:
1,8 Millionen wird die Gemeinde 2011 in eigene Projekte investieren.
4,5 Millionen erhält der Kreis in diesem Jahr als Umlage. Da lohnt sich schon ein Blick auf die Kreispolitik.

So haben wir im letzten Jahr die „Villa Kunterbunt“ saniert und umgebaut, ebenso haben wir erheblich den Umbau und die Sanierung der „Dietrich-Bonhoeffer-Kindertagesstätte“ bezuschusst.

Das 40 Jahre alte Feuerwehrhaus wurde saniert und erweitert, um der Sicherheit der Bürger und der Feuerwehrleute willen.

Der Ostpreußenring und der Pommernring erfuhren eine Sanierung des Kanals und des Straßenraums. Wir haben vor 2 Jahren eine kontinuierliche Sanierung der zum Teil sehr alten Kanäle für jährlich 1 Million Euro begonnen. Die kontinuierlichen jährlichen Sanierungen der Straßen werden mit der Jahnstraße
- Gemeinderatsbeschluss vorausgesetzt - fortgeführt.

Jetzt bin ich schon im Jahr 2011.

Die Sanierung und der Umbau der prot. Kindertagesstätte „Katharina - von - Bora“ in Nord wird mit hohem Gemeindezuschuss begonnen werden. Die Sanierung der Begegnungsstätte in der Hans-Sachs-Straße, das ehemalige „Jugendzentrum“, wurde bereits begonnen. Damit ist verbunden eine Neukonzeption der Jugendarbeit möglicherweise unter dem gemeinsamen Dach des Mehrgenerationenhauses.

Ebenso sollen die Bücherei und die Domholzschule weiter energetisch saniert werden. Sie sehen, der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt im Kindertagesstätten und Schulbereich. Das ist auch gut so!

Meine Damen und Herren, mit meinem Beitritt in den europäischen „Convent der Bürgermeister“ stehe ich dafür, dass wir uns gemeinsam Ziele der Verringerung des CO²-Ausstoßes zu eigen machen. Mit der Nahwärmeversorgung im neuerschlossenen Teilgebiet NO II wollen wir damit anfangen. Zur Zeit entsteht dort eine neue Straße, nämlich die Edenkobener Straße. Es gibt dort eine unerwartet rege Bautätigkeit.

Das Gewerbegebiet hinter dem Residenz-Hotel findet ebenfalls großes Interesse und wir werden auch dort in diesem Jahr eine neue Straße bauen, damit die Gewerbeflächen gut erreicht werden können.

So wäre noch vieles zu berichten. Ich belasse es dabei! Sie sehen, wir haben uns viel vorgenommen für dieses Jahr.

Wichtig in allem ist, dass wir allezeit an dem arbeiten, was der Lebensqualität aller Generationen dient!

Ich denke, dass die 7 über 100jährigen Bürgerinnen in Limburgerhof, die weiteren 25 Bürger und Bürgerinnen im Alter von 95 bis 100 Jahren und auch die 595 Kinder im Alter von 1 bis 6 Jahren von diesen guten Voraussetzungen zeugen.

Die sogenannte „Kommunal- und Verwaltungsreform“, eigentlich vor allem eine Gebietsreform, wird die Aufmerksamkeit von allen Bürgern brauchen. Zu diesem Thema werde ich noch eigens einladen.

Liebe Bürgerinnen und Bürger, die Verfassung sagt, dass die Menschen in einer Kommune ihre Angelegenheiten selber regeln und bestimmen. Ich meine, dass wir das gemeinsam schaffen müssten. Es muss doch auch in der Politik möglich sein, das Gemeinsame zu betonen, und sich nicht gegenseitig kaputt zu machen!

Ich fand vor einiger Zeit eine alte Beschreibung Limburgerhofs. Dort steht über das wechselnde Klima folgendes, und ich will damit im übertragenen Sinne die Wechselfälle der Politik mit einem kleinen Schmunzeln beschreiben: „Trockene Sommer und milde Winter ermöglichen es sogar, hier Wein, Tabak und Edelobst anzubauen. Gute Jahre bringen sogar Feigen zur Reife. Unangenehm bemerkbar macht sich das häufige Auftreten von Bodennebeln zu jeder Jahreszeit und gelegentliches Auftreten von Spätfrösten. Im Sommer sind Gewitter ziemlich häufig, meistens aber mit geringen Niederschlägen. Insgesamt ist das Klima überwiegend milde.“ Es steht da noch einiges über Flora Fauna, aber das lasse ich jetzt weg.

Dieser Tage habe ich ein neues Buch gefunden. Es heißt „Orte der Freiheit und Demokratie in Deutschland“. Darin werden insgesamt 35 Orte in der Bundesrepublik benannt. Einer ist Limburgerhof. Es ist ein Aufsatz von Helmut Kohl. Darin beschreibt er das katholische Pfarrhaus von Limburgerhof. Ich nehme das als ein Anspruch für Limburgerhof auf. Limburgerhof - ein Ort der Freiheit und der Demokratie...

Jedenfalls bekenne ich mich mit Stolz zu dieser Gemeinde, die für mich seit 1945 und für viele, viele Menschen zur Heimat geworden ist. Oft auch zur neuen Heimat. Mit dem, was wir haben, wie es sich von den Anfängen der „Kolonie“ vor 110 Jahren entwickelt hat, wie es von der Ansiedlung der Versuchsstation durch den Nobelpreisträger Carl Bosch hinzugewonnen hat, wie es sich die alten Ortsteile „Rehhütte“ und „Kohlhof“ bewahrt hat, und wie sich so viele um eine gelungene Entwicklung bemühen - für all das können wir dankbar sein!

Danke auch Dr. Lux, dass er die Schirmherrschaft zur Hundertjahrfeier des Gartenbauvereins übernommen hat. Die Vereinsgründung des Gartenbauvereins geschah ja auf Initiative der BASF.

Im Angesicht dieser gelungenen Entwicklung unserer Gemeinde freue ich mich darüber, dass wir Heinrich Zier, der die Geschichte 30 Jahre in Händen hielt, im vergangenen Jahr die Ehrenbürgerwürde verleihen durften.

Einer, der ebenfalls hier als Bub eine Heimat fand, hat sogar ein Buch über Limburgerhof geschrieben. Es ist Gerhard Hauck. Sein Buch trägt den Titel „Ich bin ein Limburger“. Darin bringt er uns das alte Limburgerhof nahe in seinen köstlichen Grafiken und Texten. Es erzählt von Vergangenem. Aber es erzählt eigentlich von dem, was die „Seele“ Limburgerhofs ausmacht. Ich halte den Besitz dieses Buches für unverzichtbar – auch für die neuen Bürger Limburgerhofs.

Hören Sie einen kleinen Ausschnitt aus diesem Buch unter der Überschrift Lausbubenstreiche:

>> Weltmännisch hielten wir die „Salem“, „Eckstein“ oder „R 6“ zwischen den Fingern. Nur mit dem Rauchen stellte ich mich ein wenig dumm an. Du muscht ziehe – net blose – du Äfänger!
Aber das Ziehen bekam mir gar nicht und zwischen Husten und Nebelschwaden sah ich nur verschwommen die Rauchkünste meiner Kumpane.
Heinz konnte durch die Nase rauchen, Werner formte Kringel und Helmut spreizte elegant den kleinen Finger, wenn er die Asche abklopfte. Der Zigarettenspender konnte sogar durch die aufgerissenen Augen rauchen und während ich genau und nahe hinsah verbrannte er mir zur allgemeinen Belustigung die Hand.
Nur meine Zigarette wollte nicht kleiner werden. Heimlich biß ich ein Stückchen ab und warf es verstohlen unter mich. Aber meine Kumpane hatten das „Besenende“ gesehen und lachten mich erneut aus. Der racht jo gar net, der frisst se jo! <<

Nun danke ich Ihnen allen fürs Zuhören! Danke ganz besonders meinen Mitarbeitern. Und: Ein Gutes neues Jahr 2011!