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2011 Einleitende Worte Vernissage Ansichten

Einleitende Worte des Bürgermeisters Dr. Peter Kern
zur Vernissage der Ausstellung „Ansichten“
von Ursula Börner und ihrem Sohn Uwe Matthias Börner
am 13. Mai 2011 im Foyer des Rathauses




Liebe Frau Börner, lieber Uwe Mathias Börner, und lieber Herr Börner, liebe Anwesende!

Unsere „gute Stube“, das Foyer, durch das so viele Menschen tagaus, tagein ihre Wege gehen, geschäftlich, mit viel Zeit, oder eilig mit wenig Zeit, beim Erledigen ihrer Gänge oder ganz gezielt, angezogen, von dem, was es hier gelegentlich zu sehen gibt, ist für einige Wochen reicher geworden. Ich freue mich, dass sie als Mutterstädter Ihre Ausstellung hierher ins Rathaus von Limburgerhof gebracht haben. Das ist eine große Bereicherung für uns und etwas Schönes zugleich! Uwe Matthias Börner ist sogar unser Bürger seit 13 Jahren.

Ich darf mit Ihnen, Frau Börner, beginnen. Malen, das war schon in den Kindheitstagen ihr größtes Vergnügen, und ich kann mir das gut vorstellen, wie gerade Kinder eine unverstellte Freude am Farbenspiel haben. Fast will ich denken, dass das der rote Faden gleichsam ist in ihrem künstlerischen Schaffen bis heute: „eine Heiterkeit der Farben“. Und vielleicht sind auch jene Bilder wie „Toscana“ oder „Frühling“ tief eingegrabene Erinnerungen an sonnige Tage ihrer Kindheit. Mit Worten ihres Mannes, mit Blick auf dieses Bild: „So schön kann das Leben sein!“

Ich sehe es so und ich darf es auch so sehen. Denn: Mit dem Titel ihrer Ausstellung „Ansichten“ verbinden Sie auch, dass jeder Betrachter seine eigene Ansicht, seinen eigenen Blick auf das Bild hat. Denn: Sie zwingen uns keinen Sinn auf! Das wollen sie ausdrücklich nicht! Keine Botschaft! Sie sagen: „Ich male einfach gerne. Und was in meinem Kopf entsteht, will dann auf die Leinwand!“ Erst beim Nachfragen erzählt Frau Börner, dass dahinter viel handwerkliches Lernen, viel intensives Arbeiten steckt.

Zum einen: Zwei Hände voll namhafte Künstler aus der Region und auch weit darüber hinaus waren bisher Ihre Lehrer. Mit allen wollten Sie ein Stück weiterkommen, um das, was in ihrem inneren Blickfeld entstanden ist, mit der Hand umzusetzen und beides zur Deckung bringen zu können.

Zum anderen: Da sind die Skizzenbücher. Ich durfte sie sehen. Es sind wahre Schatzkästlein. Entstanden auf Ihren Reisen in die Toscana, nach Rom, in die Provence, auf die Inseln Teneriffa oder Mallorca, beispielsweise. Da sind Miniaturen zu sehen, Ausschnitte, Details, Gesamtansichten - scheinbar manchmal einfach so „hingeworfen“. Aber in Wahrheit Resultat des genauesten Hinsehens und der gezielten handwerklichen Technik, manchmal bereits aquarelliert. Es sind Skizzen für Sie zuhause, aber so ging es mir – manchmal zum „Haben-wollen“ wunderbar schön!

Sie malen oder fotografieren die Realität nicht ab. Vielmehr suchen Sie das Wesentliche, das Ästhetische daran. Oft auch mit wenigen Linien oder Farben, geradezu minimalistisch, darum wissend, dass darin das Ganze sichtbar wird. So ist es folgerichtig, dass Ihre Bilder sich dem von weitem nähernden Betrachter als eine in Form, in Farbe und oft im Weiß der Leinwand, des Papiers, harmonische, ja gleichsam dem „Goldenen Schnitt“ geschuldete Kompositionen darbieten:

- Voll ausgeloteter ausgewogener Ruhe, wie die ital. Brückenbilder beispielsweise. Ausgleich in der Seele stiftend.
- Oder voll energiegeladener Spannung, wie die Flamenco-Bilder, beispielsweise.

Die von jemandem formulierte Fragestellung zu Malereien allgemein: Wie lange wird man ein bestimmtes Bild vor Augen hängen sehen können? Ich sehe es
bei ihren Bildern so, dass ihre Bilder Raum lassen für das immer neue Sehen, sich dazu in Spannung zu setzen oder dabei innerlich befriedende Ruhe zu finden.

Die Farben spielen dabei eine besondere Rolle, sei es in der Farbenpracht des Frühlingsbildes, sei es in dem „Weiß“ der überraschend weiß gemalten Stadt auf dem Berge - über den Blumenwiesen desselben Bildes, seien es die vielen verschiedenen Tönungen des Rots ihrer Flamencobilder. Rot, die Farbe des Lebens, des Bluts, der Liebe, der Ewigkeit, des immerwährenden „Tanzens und der Rhythmen des Lebens“ in unglaublich vielen Rot-Nuancen und kontrastiert mit Gegenfarben – so reich, wie das Leben ist.

Ganz reduziert kolorieren Sie ihre Portraitzeichnungen, um so die auf Papier ins Leben gerufenen Menschen darzustellen - und uns zum tieferen Sehen einzuladen. Wie das alle ihre Bilder tun: Sie laden ein, vom ersten weiter entfernten Betrachten näher zu treten, genauer zu schauen, zu erkunden,
„wie macht das die Künstlerin eigentlich, dass sie diese Impressionen, diesen Ausdruck, diese Ausstrahlung aufs Papier bringt?“ aber auch, wie ist das Dargestellte nun im Einzelnen im Detail? Also unseren Wunsch, genauer zu sehen, herausfordernd.

Und so darf ich zu ihrem Sohn Uwe Matthias überleiten. Ein anderes Medium: die Fotografie. Nicht zu vergleichende Techniken: zunächst!
Aber dann doch überraschend ähnlich: Zum Sehen, zum anders Sehen, zum völlig neuen Sehen einladend. Wenn ich es recht sehe, alles Fotografien von Limburgerhof. Perspektiven, über die wir gemeinhin hinwegsehen.
Verfremdete Nahaufnahmen, die Übersehenes hervorkehren.

Ästhetisch Schönes, das wir mit unserem gängigen Blick nicht wahrgenommen hätten. Details, die wir in ihrer Rhythmik, in ihrer Farbigkeit, ja in ihrer Schönheit sicher niemals entdeckt hätten. Architektur, Natur, Tages- und Nachtzeiten, Materialien, vom Menschen Gestaltetes und vom Menschen Unbeachtetes: Herr Börner bringt es uns vor Augen, die Realität manchmal bis zur Surrealität ästhetisch steigernd, so dass ich sage: „Hut ab! Das ist Kunst!“

Unser Limburgerhofer Logo „Leben neu entdecken“ ist hier aufs Höchste künstlerisch und unvergleichlich umgesetzt.

So ist das also mit der Mutter und dem Sohn: Sie lehren uns das Sehen. Sie tun dies mit künstlerisch aufs Höchste entwickeltem Handwerkszeug, jeder auf seine Weise – und dabei den Blick auf das Wesentliche, das Eigentliche, das
Immer-Schöne des wahren Lebens lenkend.

Ich wünsche uns allen nun einen Genuss beim Sehen!
Und der Ausstellung viel Erfolg!

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