http://www.limburgerhof.de/
Zurück zur Startseite  Rathaus
 Der Bürgermeister
 Reden des Bürgermeisters
[Start]
[Inhalt]
[Suche]
   
http://www.limburgerhof.de/  Drucken

2011 Laudatio Austellung Hilmi Kapan

Laudatio von Bürgermeister Dr. Peter Kern zur Ausstellung des Künstlers Hilmi Kapan
aus Limburgerhof im Foyer des Rathauses am 06. Juni 2011



Lieber Herr Kapan, liebe Familie Kapan, liebe Freunde,

Nachbarn, Limburgerhofer und Gäste aus der Region!


Mit großer Freude bin ich bei dieser Ausstellung dabei. Ich durfte einen Menschen kennenlernen, der eine Botschaft hat. Sie wohnen seit 6 Jahren mit ihrer Familie in Limburgerhof. Ihre beiden Kinder besuchen die Carl-Bosch-Schule. Sie sind mit 17 Jahren in die Bundesrepublik immigriert.
Mit 30 Jahren erhielten Sie ein Stipendium für ein Studium der Kunst, das Sie mit Diplom abschlossen.

Um auf Ihren Namen einzugehen. Wir wissen, die türkischen Namen haben immer eine besondere Bedeutung. Ihr Vorname Hilmi heißt „der Weise“. Und Ihr Nachname Kapan bedeutet „der Fänger“ oder „die geschlossene Tür“.

Sie hatten eine große Zahl von Ausstellungen, ehe Sie nach Limburgerhof in die Neuhofener Straße zogen. Und nun sind Sie unser Bürger und ich spreche gerne zu Ihrem Werk. Um es vorweg zu sagen: Ihre Ausstellung sprengt den üblichen Rahmen. Ihre Ausstellung sei „leicht“ oder „schön“, lässt sich im üblichen Sinne nicht sagen. Sie ist im herkömmlichen Sinn eher „schwer“.

Jedoch: Schaue ich von weitem auf diese Bilder, dann kann ich mich nicht genug an den Farben sattsehen. Eine lebensfrohe Buntheit oft auf engstem Raum – so bunt wie das schöne schwere Leben ist. Farbkontraste, Farbenspiele von großer ästhetischer Schönheit. Düsteres findet im Gesamt der Farbarrangements ebenso seinen Raum. So gesehen, wird unser Foyer „geschmückt“.

Geht man näher an die Bilder heran, dann wird man gewahr: Da die aufgerissenen Münder, dort die kalten stolzen Augen, da die gedemütigten und gebeugten Leiber, und dort der nackte „Menschenschwarm“ auf dem Weg zum „verlorenen Paradies“.

Sie sagten mir, „ich male das, was passiert ist“ und was ich „durchfühlt“ habe und will die Erinnerung daran präsent halten: Kosovo, Vertreiben, Vertriebenwerden, Macht, Ohnmacht, Schuld, Verstricktsein, Verstricktwerden, Leben, Tod, Liebe, Leidenschaft, Berührtwerden, Verstoßenwerden.

Ich schaue dabei beispielsweise auf das Tryptichon „Berührung“: Hände in michelangelo’schem Sinne, Köpfe so kantig und sich der schwarzen Konturen bedienend, wie es vielleicht nur Marx Beckmann konnte.

Dazwischen – in der Mitte, das wunderbare, sanfte Bild der Mutter mit ihrem Kind.
Rein, weiß, unschuldig, - wie die Liebe ist. Urbild von Vertrauen, von unzerstörbarem Leben, von Geburt, von Festhalten und Loslassen, von Weitergabe des Lebens von Generation zu Generation.

So bringen Sie in Erinnerung, was eigentlich Leben will, und was eigentlich Leben ist.
Und: Sie leisten Widerstand gegen scheinbar unabänderliche lineare Kausalitäten, die zum Kriege, zum Unrecht, zum Kaputtmachen von Leben führen.

Ihre Kompositionen in Farben, Formen und Themen dekonstruieren etablierte, herrschende Weltbilder. Sie durchbrechen Ordnungen des Scheins, um gleichsam zur Liebe zu befreien, die das wahre Leben zulässt. Sie bedienen sich dabei archetypischer Bilder von gelingendem und misslingendem Leben, und weiten sie ins Kosmische. Bilder, die über unsere Sprache hinausgehen und die auch über kulturelle Abgrenzungen hinausgehen. Das Kreuz z.B. das Sie von unglaublicher, meines Wissens nie gemalter Perspektive aus darstellen, und das auf einigen Bildern durchscheint als Symbol allen Leidens.

So machen Sie deutlich, wie zerbrechlich das Leben ist und wie zerbrechlich der Frieden ist. Und dass das Leben und der Frieden hart erkämpft und behütet sein wollen.

Ich weiß, dass es auch andere Bereiche Ihres Schaffens gibt: Bilder voller kreatürlicher Lebensfreude, diese 100 Bilder in Postkartengröße, Miniaturen, Kostbarkeiten, sinnenfrohe Frauenleiber zum Beispiel: Ach, so schön kann nur das Paradies sein! Sie bringen es fertig darzustellen: Gärten des Glücks!

Dann Ihre Skulpturen: Sie sind fast allesamt Darstellungen des sich in Liebe verschmelzenden Lebens. Leben, das alles Negative, alle Negation, wie Sie es ausdrücken „einschmilzt“.

So ist Ihr Werk insgesamt ein Schaffen, das verlorene Paradies wiederzufinden. Gegen alles Gängige, Herrschende, Oberflächliche, Ungeliebte protestieren Sie: mit Bildern der Liebe und mit Bildern des Grauens.

Ich bin überzeugt: Diese Bilder unterbrechen den Lauf der gängigen Dinge. Auch den Lauf der Bürgerinnen und Bürger, die geschäftig dieses Foyer durchkreuzen.

Persönlich will ich sagen: Ich bin froh, dass es Sie und Ihr Schaffen gibt in unserer Gemeinde. Ich weiß: Sie haben Hoffnung, und die Farben erzählen es. Ihr Schaffen, Ihr Werk ist für uns, für die Augen und für unsere Herzen ein existentielles Ereignis. Denn Sie malen Widerstand zur Hoffnung in unsere Welt.
Danke dafür!

| Aktuelles | Auf einen Blick | Bildung, Kinder, Jugend | Gemeindesteckbrief | Gesundheit | Gewerbe | Kultur | Rathaus | Senioren | Service | Sport und Freizeit | Veranstaltungen |
zum Seitenanfang zum Seitenanfang © 2010 by Gemeinde Limburgerhof - Impressum
[Email] Designed and hosted by SpeyerNet AG
zum Seitenanfang zum Seitenanfang