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2011 Rede Vernissage Manfred H. Horn

Vernissage des Künstlers Manfred H. Horn

am 27. Januar 2011 im Hotel "Residenz"

Lieber Herr Horn, verehrte Anwesende!

Herr Horn hat mich gebeten, einiges zu seiner Ausstellung zu sagen. Was ich sagen werde, ist subjektiv. Es sind ein paar Hinweise und Anstöße zum Weiterdenken.

Ich brauchte einige Zeit, bis ich bemerkte, dass es da einen Bürger gibt in Limburgerhof, der Beachtliches, ja Wertvolles, Großartiges zu bieten hat. Denn Herr Horn, der seit 3 Jahren in Limburgerhof wohnt, ist einer, der sich mit großem Interesse die Zeit nahm, unsere Vernissagen zu besuchen, und auch sonst einiges mehr vom Leben unserer Gemeinde kennen zu lernen. Er tat dies jedoch zurückhaltend, wie es seine Art ist, und so lernten wir uns kennen. In Ludwigshafen geboren, ab 19 in Mannheim wohnend, bis er vor 3 Jahren nach Limburgerhof zog, fing er mit 16 Jahren zu malen an. Damals in den beginnenden 60erJahren, begann er sich Räume der Freiheit zu öffnen. Freiheit charakterisiert sicherlich seine gesamte Entwicklung. Nach dem Besuch des Gymnasiums fuhr er einen 40-Tonner-Truck. Ein Trucker war damals Symbol der grenzenlosen weiten Welt, der Jungendlichkeit, der Männlichkeit, des Unkonventionellen, der Coolness.

Das war eine bestimmte Art der Lebenskunst! Und sie hatte sicherlich Einfluss auf seine künstlerische Entwicklung! Die Vielfalt in seinem Leben damals transformierte er in seine Werke. Rund 50 Skizzenbüchlein sind seitdem zusammengekommen, die er immer und überall auch heute noch bei sich trägt und füllt.

Zu seinem Lebenslauf gehört auch der Möbelbau, aber vor allem das Projektieren und Sanieren von alten denkmalgeschützten Häusern in Deutschland und später in der Türkei. Ich darf es hinzufügen: In der Türkei hat er die Frau kennen gelernt, die er liebt, eine erfolgreiche Personalchefin, die diesen Weg mit ihm geht, öffnend, so sehe ich es, und engagiert begleitend in Liebe.

Seit 40 Jahren malte er unzählige Werke. Daheim bei ihm durfte ich viele davon sehen: Bilder farbenprächtig und fröhlich lebendig daherkommend – einige Stücke „Hundertwasser“, von ihm gemalt zu einem Zeitpunkt, als er Hundertwasser noch gar nicht begegnet war.

Ein Leben also, frei, um in Zeit und Raum in die Tiefe gehen zu können. Nirgends will er Natur nachmalen, oder die Natur vermessen als Abbild gleichsam. Und er lässt sich nicht auf einen Stil festlegen. Er sucht stets Neues, schließt alte Themen -, Farben- oder Technikphasen ab, um auf dem Weg zu noch größerer Werkkunst voranzukommen.

Sein Erstlingswerk ist ein Menschengebilde, mit 16 Jahren gemalt, für mich ein künstlerischer Hammer. Archaisch, urbildhaft, Höhlenmalerei gleichend, schemenhaft erschuf er da ein Menschenbild, mich an Adam erinnernd.

Er will uns mit seinen Werken nicht in einen bestimmten Sinn zwingen. Das ist sehr wichtig: Er will – nach eigenen Worten – lediglich erfreuen.

In allen seinen Bildern wird aber auch der Kampf mit sich selber deutlich. Darum werfen wir einen Blick auf seinen künstlerischen Schaffensprozess: Da sind die Skizzenbücher. Ein Bild nach dem anderen, Seite für Seite. „Einfälle“, vielleicht an einer Kaffeetafel, „Einfälle“ zu jeder Tages- und offensichtlich auch Nachtzeit. Sie sind plötzlich da. Im Kopf vor dem inneren Auge. Es scheint, als trage er „innere Bilder“ in sich. Sind es Visionen, Träume, Erinnerungen, Bilder aus dem Kollektiven Gedächtnis, ganz allein Bilder in ihm selber - je nach Stimmung, oder der Musik -, die dann zu einem schöpferischen Moment aufbrechen, explodieren wie Knospen, die die Reife in sich tragen?

Und dann muss es auf die Leinwand! Dann werden der „innere Blick“ und die Hand, die malt, aufeinander abgestimmt.

Das ist dann der Anfang, vielleicht zum Beispiel in der linken unteren Bildhälfte. Von diesem Anfang aus entwickelt er das Bild weiter, ohne dass er meist das Gesamte bereits im Kopf hätte. Vielmehr: Auf dem Weg des Entstehens gibt es Veränderungen, „Abdriften“ wie er sagt – auf dem Weg dahin, die inneren Bilder und die äußeren Bilder zusammenzubringen. Von daher ist sein Schaffensprozess ungeheuer spannend. Eigentlich immer ein künstlerisches Abenteuer!

Interessant ist es, von ihm beispielsweise die Entstehung dieses Bildes („Die steinernen Sünder“) erzählt zu bekommen. Wie er zuerst einen Apfel malt und diesen dann in der Brust dieser Frau spiegelt. Wie dadurch eine diagonale Linie entsteht. Wie sich dann die „Sünde“ ins Bild findet. Und wie dann die Sünder zu Stein, ja fast gläsern werden. Dann wieder Reminiszenzen an sein Skizzenbuch: Da übernimmt er die „Priester der Sünde aller Religionen“.

Ein Thema also, eine Komposition hat sich Stück um Stück entwickelt.

Der Film „Amadeus“ beschreibt fiktiv den musikalischen Schaffensprozess von Wolfgang Amadeus Mozart. Da ist der neidische Hofkapellmeister Salieri, der glaubt, dass Mozart die musikalischen Einfälle wie reife Früchte in den Schoß fallen, ohne Mühe! Gleichsam von Gott eingegeben. Erst im Angesicht des Todes kommt es bei Mozart zu ernsthafter Anstrengung – und jetzt komponiert er etwas, was unvollendet geblieben ist – das Requiem.

Ein Film, der 2 Pole künstlerischen Schaffens zeigt: das mühelose Weitergeben dessen, was bereits im Kopf ist, und das Ringen darum, ein künstlerisch Vollendetes zu schaffen.

Bei Manfred Horn ist beides: Das Fertige im Kopf, aber auch die Auseinandersetzung mit dem Entstehenden auf dem Weg zum Endgültigen. Oder anders gesagt: So wie das Leben, ist vieles lange Zeit nur Provisorisches - und braucht das Ringen auf Wegen, Umwegen, Irrwegen hin zum Endgültigen, zum Authentischen. Zu dem, was zu uns, den Betrachtern, vollgültig spricht.

Manfred Horn hatte im letzten Jahr eine schwere Operation zu bestehen. Seitdem spürt er noch mehr den Drang in sich, Vollendetes zu schaffen in größerer Eile als früher.

In allem, scheint mir, öffnet er den Raum, schmückt ihn, ob mit Spachteltechnik oder mit Stupftechnik in Acryl oder in Öl beispielsweise. Er öffnet Raum und Zeit, Räume für Farben, für Farbenspiel oder auch für neues Formenspiel, surrealistisch oft, an Salvadore Dali anmutend. Meist fängt er mit dem Hintergrund an, gleichsam eine Lebensgrundfolie erstellend, und entfaltet dann darauf „das Leben“.

So wie seine Fischbilder, blinkende Fische in quicklebendiger Bewegung - Erinnerungen an viele Tauch-Urlaube in Ägypten. Sicherlich auch mit dem Hintergrund, die Dinge zu ordnen, um sie dann für das freie Spiel zu öffnen, sie durchlässig zu machen für die Kommunikation mit dem Betrachter. In ihm Fragen aufkommen zu lassen, ihn ins Denken zu bringen.

Und, was ich so großartig finde: In allem, so sagt er, sucht er das Licht. Ja, das Licht, das entsteht, wenn er Farben in die Räume der Betrachter bringt. Manchmal auch lichtbringende künstlerische Raumdekoration.

Oder jenes Licht, das in seinen Bildern selbst entsteht. Es ist eine Kunst, sagt er, dieses Licht auf die Leinwand zu bringen, es aus dem Bild heraus leuchten zu lassen.

Auf dem Weg dieses Lichts, das für Manfred Horn Inbegriff von Kunst ist, sieht er sich selber.

So gesehen, sind seine Bilder „Lichtungen“ (Martin Heidegger).

Wir können noch vieles von ihm erwarten!

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