Festakt zum 50-jährigen Jubiläum der Carl-Bosch-Schule am 10.06.2005
Liebe Frau Rektorin Hammer, liebes Lehrerkollegium, liebe Eltern, liebe Schüler, Frau Abgeordnete Klamm, sehr geehrter Herr Regierungsschulrat Müller, lieber Herr Kreisbeigeordneter Elster, lieber Herr Dr. Oldeweme, sehr geehrte Frau Grünfelder, sehr geehrte Beigeordnete Heffner und Buch, sehr geehrte Frau Heiner und Herr Pfarrer Grimm, sehr geehrte Damen und Herren!
„Unsere Schule hat keine Segel“ sangen die Schüler eben herzerfrischend und voller Lebensfreude. Ich erinnere mich noch ganz genau: Damals vor fünfzig Jahren, unter der Leitung von Konrektor Richard Eberhard, sangen wir – ich war damals im Schülerchor – voll Ehrfurcht vor den Versammelten bei der Einweihung dieses Schulgebäudes – „Ein Jäger aus Kurpfalz“ – damals ein Hit!
Unter drei Stichworten möchte ich meinen Gruß und meinen Dank fassen: „polis, Carl Bosch und Menschenbildung“:
1. „polis“
Wenn „polis“ die „Stadt“, das „Gemeinwesen“, oder die „Burg“ meint, in der die Besten darum ringen, was den Bürgern einer Burg, einer Stadt zum Besten diene, so gilt das für die Entstehungsgeschichte dieser Schule, deren Geburtstag wir heute feiern, so gilt das für die nach der „Limburg“ benannte Gemeinde in besonderer Weise. Alle Unterlagen aus damaliger Zeit dokumentieren das besonnene Zusammenspiel des damaligen Kultusministers Dr. Fink, des Landrats Dr. Becker-Marx, des Bürgermeisters Dr. Scherer und des Rektors Karl Groh und der BASF!
Nahezu Unmögliches wurde gemeinsam möglich gemacht. Galt es doch, die hervorragende Tradition der Privatschule der BASF und Limburgerhof, die einzige Privatschule in der damaligen Pfalz, fortzusetzen, die seit 1902 bestand.
Aus Erzählungen von Hans Loschky weiß ich, dass die pfälzer Lehrer damals ihre Kollegen in Limburgerhof beneideten, wegen der guten Bezahlung, wegen der guten Pensionen und wegen der guten Ausstattung der Schule. So versammelten sich in Limburgerhof bald die besten Lehrkräfte. Einige von uns hier hatten sie noch selbst als ihre Lehrer gehabt!
Was die Standortfrage vor fünfzig Jahren betraf, so versagte die BASF dem Wunsch der Gemeinde, die Schule in dem heutigen Schlösselpark zu bauen und auch nicht im Anschluss an die damalige Enten- und Gänsezucht im Gutshof zu bauen, weil man befürchtete, dass die Gänse und Enten von dem Pausenlärm der Kinder besonders gefährdet würden. Stattdessen bot die BASF den Kerweplatz an, die Stelle, an der wir uns heute befinden. Bei der Übergabe des großzügigen Darlehens von über 300.000,- DM, (zum Vergleich: der Gemeindehaushalt insgesamt belief sich auf wenig mehr als 300.000,- DM), sagte der damalige Direktor Dr. Santo von der BASF: „Dies ist kein Geschenk – sondern eine selbstverständliche Verpflichtung!“
Einige Jahre später, beim fünfzigsten Jubiläum der Gemeinde, beschrieb Direktor Dr. Köhler von der BASF die Beziehung zur Gemeinde und dem Agrarzentrum wie folgt: „So wie einerseits die BASF vieles zur Entwicklung der Gemeinde beigetragen hat, war umgekehrt die Gemeinde gegenüber den Wünschen und Vorstellungen der BASF stets aufgeschlossen. Vieles wurde in vertrauensvoller Zusammenarbeit geschaffen. Es ist ein sich gegenseitig befruchtendes Verhältnis!“
Es ist an der Zeit, dass ich in Richtung BASF Danke sage! Ihre Anwesenheit, Herr Dr. Oldeweme, ist mir Ausdruck von bester Verbundenheit auch heute und für die Zukunft!
2. Carl Bosch
Diese Schule bewahrt ihrem Namensgeber ein ehrendes Gedenken. Im Flur steht eine Büste Carl Boschs. Vierzigjährig hatte er 1914 die damalige Versuchsstation eingerichtet. Wer sich mit seinem Leben befasst, erfährt, dass der Weg zum Nobelpreisträger mit seiner Neigung als Kind begann, nämlich den Dingen auf den Grund zu gehen. So erregte er einmal den Ärger seiner Mutter, weil er ihre gesamte Nähmaschine zerlegt hatte. Als Bruder von fünf weiteren Geschwistern lehrten ihn seine Lehrer das Staunen über alles Lebendige! So entstanden zum Beispiel seine botanischen Sammlungen aus seinen Streifzügen am Neuhofener Altrhein. Dieses Staunen gegenüber dem Lebendigen war Ausgangpunkt aller seiner Forschungsarbeiten gewesen.
Heute würden wir von ökologischem Denken und Verantwortung sprechen. Carl Bosch ist dafür wegweisendes Leitbild. Leitbild in einer Wissensgesellschaft, die um den Erhalt des Menschlichen ringen muss. Weil sich in Carl Bosch weltoffene Haltung, Verantwortung vor allem Lebendigen, aber auch soziale Verantwortung für unsere Gemeinde vereinigten, kann es kein besseres Leitbild für diese Schule geben. Dieses Leitbild Carl Boschs weist prägend über den Geist dieser Schule als Stätte kindgemäßen Erforschens hinaus in die Gemeinde Limburgerhof als Forschungsstandort.
Damals vor 50 Jahren bezog man die Schiefertafeln und die dazugehörigen Griffel aus der Fabrik Brendel in der Jahnstraße. Mit Holzrahmen war die Schiefertafel schon recht teuer, und manche konnten sie sich mit Holzrahmen nicht leisten. Was den Nachteil hatte, dass die Ungerahmten schnell zerbrachen. Zum Auswischen musste der Schwamm gut nass sein und der Lappen gut trocken! Wenn ich daran denke, dass wir heute mit einem Druck auf die Löschtaste Kilobytes von Geschriebenem löschen können, so symbolisiert dies Quantensprünge des Wandels!
3. Menschenbildung
Da bin ich bei Ihnen, liebe Lehrkräfte. In allem Wandel sind Sie, ist die Schule ihrem pädagogischen Anspruch treu geblieben. Was haben Sie nicht alles erlebt in dieser Zeit: Mindestens sieben Kultusminister, sieben Rektoren: Sie will ich aufzählen: Karl Groh, Max Kochendörfer (unter ihm war ich selbst Lehrer hier. Er paffte selbst in den Fluren immer gemütlich seine dicken Zigarren. Schon das ist ein Grund, dass endlich einmal mit der weiteren Renovierung der Schule begonnen wird), Lucian Rotzal, Karl-Heinz Liebmann, Hedi Heintze und Sie, liebe Frau Hammer! In dieser Zeit haben Sie fünf Bürgermeister erlebt. Übrigens nur drei Hausmeister – das ist große Kontinuität. Ich will sie nennen: Karl Goy, Erwin Brunner und jetzt Peter Nowack.
In allem Wandel haben sich die Lehrkräfte dieser Schule, übrigens zusammen mit den Eltern, immer der Menschenbildung und dem Leitbild Carl Boschs verpflichtet gefühlt. Viele Schülerinnen und Schüler sind durch Ihre formenden Hände gegangen.
Ja so ist es: Eine Grundschule legt als kleine „polis“, als kleines Gemeinwesen, den Grund für das Funktionieren des großen Gemeinwesens. Das ist eine große Aufgabe, das ist viel Mühe, das ist eine Riesen-Verantwortung, das ist ein äußerst anspruchsvoller Beruf!
Für das Geleistete möchte ich Ihnen heute danken! In Ihrem pädagogischen Wirken, liebes Lehrerkollegium, prägen Sie die Kindheiten, und damit auch die Zukunft der Kinder Limburgerhofs ganz entscheidend mit.
In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch, Carl-Bosch-Schule! Auf eine gute, gelingende Zukunft – zum Wohlergehen und zum Glück unserer Kinder!
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