Festakt der Gemeinde am 01.10.2005
Meine Damen und Herren, heute feiern wir den 75. Geburtstag unserer Gemeinde. In die große Familie der Geburtstagsgratulanten sind zu den Bürgern Limburgerhofs auch besondere Ehrengäste gekommen, über die wir uns sehr freuen.
Ich danke Ihnen allen für Ihre Verbundenheit! Namens der Beigeordneten und des Gemeinderates heiße ich Sie herzlich willkommen.
( Doris Barnett MdB, Hannelore Klamm MdL, die Bürgermeister Sattel und Frey, Sozialdezernent van Vliet, Beigeordneter Heller, Landrat Werner Schröter und Altbügermeister Heinrich Zier. Ebenso aus unserer Partnerstadt mit einer Delegation von 75 Personen an der Spitze Bürgermeister Jean Esmonin und der 1.Adjoint Philippe Singer: „Bienvenue mes amis de Chenove. Je suis tres heureux ! » Die Damen und Herren der BASF und des Agrarzentrums. An ihrer Spitze: Dr. Jürgen Oldeweme, Neugebauer, Dr. Regenberg. Unseren Kontaktbeamten seit fast 25 Jahren Heinz Itschert, der im Foyer draussen seinen wunderschönen Intarsienarbeiten ausgestellt hat. Unseren Turmschreiber Paul Tremmel Den Vorsitzenden aller rund 50 Limburgerhofer Vereine Paul Lembach sowie Sie alle, die Vertreter der Vereine, Kirchen, Feuerwehr, Schulen, Kindertagesstätten, des Gewerbevereins der Selbstständigen. )
Noch einmal ganz herzlich willkommen Sie alle, meine lieben Bürgerinnen und Bürger!
Meine Damen und Herren!
Am 1.1.1930 schrieben die “Pfälzer Heimat-Blätter”: “Mit dem neuen Jahre wurde Limburgerhof selbstständige Gemeinde. Wir rufen ihm ein herzliches Glückauf zu! Möge die neue Gemeinde erstarken, alle Schwierigkeiten mit Jugendkraft überwinden und einer blühenden Zukunfr entgegengehen!”
75 Jahre Entwicklung unserer Gemeinde. Wie kam es zu dem, wo wir heute stehen? Vor unseren Augen sehen wir die Arbeiter, wie sie von ihrer Siedlung, vom Bahnhof Mutterstadt aus,in das BASF-Werk fuhren. Fleißige, verlässliche, rechtschaffene Leute, für die die BASF gleichsam einen ganzen Ortsteil mit der gesamten notwendigen Infrastruktur um 1900 plante und baute. Das war die Keimzelle Limburgerhofs, aus deren Dynamik alles Weitere notwendig folgte.
75 Jahre Gemeinde: Das sind 75 Jahre Menschen in Limburgerhof. Menschen mit ihren Wünschen, Sehnsüchten, Nöten und Hoffnungen - bis heute! Ich sehe sie, wie sie Sorge trugen, für ihre Kinder, für ihren Glauben, für ihre Gesundheit, für das Alter - gestern wie heute. Wie sie sich gesellig trafen seit je - zum Sport, zur Musik, in den Vereinen, in den Gaststätten. Wie sie einander Anteil gaben und nahmen: bei Geburt, Hochzeit, Tod und Trauer. Wie sie Nachbarschaft pflegten, einander aushalfen. Wie sie neue Menschen - vor allem die vielen Flüchtlinge - nach 1945 Jahren aufnahmen und aus Fremden Freunde wurden. Ich sehe sie, wie sie die schweren Zeiten der Kriege einander überwinden halfen, wie Kinder lernten in den Bombenlöchern des Böhlgrabens trefflich zu schwimmen. Ich sehe die Menschen, wie sie die fröhlichen Zeiten der Bräuche und des Feierns an Weihnachten, an Ostern, am Sonntag, beim Martinsumzug miteinander begingen und pflegten.
Ich erinnere mich noch, wie für eine ganze Generation in unserer Jugend der von Geburt an blinde August Tremmel in seiner weisen, bescheidenen Art Integrationsfigur für Viele in Limburgerhof war.
75 Jahre Entwicklung - rasante Entwicklung wie ich meine - Limburgerhofs: ich sehe die wechselnden Gemeinderäte, wie sie - mit den Bürgermeistern - rangen um die besten Lösungen und gute Visionen in die Tat umzusetzen versuchten, wo dies nur möglich war. 75 Jahre Limburgerhof, da werden Namen und Gesichter lebendig. Profilierte, Kluge, Wegweisende, Carl Mühlbauer, Pfr. Frantz, Ökonomierat Schäfer und viele andere. Solche, die Vieles für ihre Heimatgemeinde, oft auch ihre neue Heimat taten, aber auch solche, die eher zurückgezogen blieben.
So ist das Leben! Dies alles war und ist es noch: Limburgerhof - mit allen seinen guten, frohen aber manchmal auch schwierigen Seiten und Zeiten.
Limburgerhof ist übrigens in seiner Fläche geprägt von 3 Linien:
1. Die Speyererstraße: Sie ist nichts anderes, als die alte Römerstraße, die vor 2000 Jahren kerzengerade von Hochgestade zu Hochgestade des Rheins entlang zog.
2. Die “Ludwigsbahn”: Sie kreuzte 1847 diese alte Römerstraße. An dieser Kreuzung entstand in jüngster Zeit der erste Haltepunkt der modernen Regionalbahn.
3. Der Rehbach - und die Ransch: Seit Hunderten von Jahren befand sich dort, wo sie die Römerstraße kreuzte, die Mühle, die Rehhütte, die unserem Ort ihr malerisches, ländliches Gepräge gibt.
Dort auf den Anschwemmungen am Zusammenlauf von Rehbach und Ransch ließen sich die Mennoniten nieder. Zusammen mit dem Bauern Sponagel in Nord tragen die Kohlhöfer dazu bei, dass immerhin die Hälfte unserer Gemarkung landwirtschaftlich genutzt wird.
An den Kreuzungen dieser drei Achsen also wuchs ein Gemeinwesen heran, das die alten Gemeindegrenzen im täglichen Leben faktisch überwand. So war es folgerichtig, dass das bayrische Innenministerium die Bildung der selbstständigen Gemeinde Limburgerhof verfügte, was die vier Gemeinden, die Gemarkungsteile abgeben mussten, nur zähneknirschend hinnahmen.
Dieses Zusammenbringen von vorher Getrenntem und Verschiedenem ist immer grundlegend für Limburgerhof gewesen!
Wie zum Beispiel: - Vier Gemarkungen zu einer Gemarkung zusammenzufügen - Oder: Zwei Konfessionen in einem Kirchlein zur Ökumene zusammenzubringen - das war für die damalige Zeit revolutionär! - Oder: Das Hinzukommen der Glaubensflüchtlinge im 17. Jahrhundert, dann der vielen Flüchtlinge nach dem Krieg. - Oder: Das räumliche Nebeneinander der alten Kolonie und des neuen “roten Dorfes” beispielsweise. - Oder: Der hohe Anteil der aus Ludwigshafen hierher gezogenen Bürger - jetzt der vielen Neubürger aus dem gesamten Bundesgebiet.
Alles war und ist auf eine Spannung zwischen Verschiedenem und dessen Zusammenwachsen zu einem Ganzen angelegt. Eine gedeihliche Spannung offensichtlich! Denn aus ihr geht jene Vitalität hervor, die uns alle immer wieder anstachelt, unseren Heimatort weiter zu entwickeln und gute Lebensqualität zu entfalten.
Es ist mir ein großes Bedürfnis all jenen zu danken, die in diesem Nebeneinander von Verschiedenem immer und unermüdlich auch die Kräfte des Zusammenhalts aufbringen.
Vielen Dank, Ihr, die Ihr viel eurer Zeit und Kraft für Limburgerhof einsetzt.!
Was das Agrarzentrum betrifft, so mögen Sie wissen: Wir bauen auf Sie und Sie mögen auf uns bauen können - auch in Zukunft! Sie sind mehr als ein nachbarschaftlicher Partner - Sie sind ein Stück von uns - wir verdanken Ihnen Vieles!
Mit Ihrem unternehmerischen Denken und mit dem pragmatischen Bürgersinn der Limburgerhofer und mit der Kraft des Zusammenhalts von Vielen hat Limburgerhof Zukunft!
Der Blick nach außen, hin zu unseren Freunden in Chenove, und deren Blick auf uns, war immer für beide Seiten hilfreich! Ich habe mich bemüht, aus Anlass der Gedenkfeierlichkeiten zum Kriegsende, und in Gedenken an den von der Gestapo 1944 verschleppten Bürgermeister Naudot, zu helfen alte Wunden zu heilen!
So ist unsere Freundschaft noch tiefer geworden!
Die vielleicht schönste Erfahrung unserer Partnerschaft habe ich gemacht, als der Chenover Michelle Paupert in diesem Sommer die Zelte seines Kinderzirkusses hier in Limburgerhof aufschlug. In seiner Manege sind beim gemeinsamen Zaubern und Jonglieren neue Freundschaften zwischen den Kindern Chenoves und den Kindern Limburgerhofs entstanden.
Was dabei herauskam ist eine Kostbarkeit. Sie hat Zukunft!
|
|