Keine verhätschelten Stalltiere |
Wenn die Bullen kommen, herrscht in der Unteren Naturschutzbehörde des Rhein-Pfalz-Kreises Hochbetrieb. Dabei ist die Organisation des jährlich stattfindenden Auftriebsfests Anfang Mai nur ein Höhepunkt im Rahmen des Beweidungsprojekts in einer ehemaligen Schlinge des Urrheins. Der federführende Mitarbeiter der Kreisverwaltung Siegfried Filus erklärt, warum die Schottischen Hochlandrinder zu seinem Team gehören und welche Aufgaben sie hierbei übernehmen. Herr Filus, wie passt das zusammen: Naturschutz und Landespflege bei der Kreisverwaltung, Schottische Hochlandrinder im Bruchgelände Limburgerhof? Die Schottischen Hochlandrinder helfen uns bei der sogenannten Offenhaltung der Landschaft durch extensive Beweidung. Sie ist in den letzten Jahren ein wichtiges Element der Landschaftspflege und des Naturschutzes geworden: Das Vieh frisst bestimmte Pflanzen und lässt andere stehen. Durch das ungleichmäßige Abweiden der Pflanzendecke entwickelt sich nach und nach eine artenreiche, parkähnliche Landschaft. Maschinen kommen nur noch da zum Einsatz, wo die Tiere mit dem Fressen nicht nachkommen. Viele Arten erobern, dank unserer vierbeinigen Helfer, ihre Lebensräume zurück. Die Wiederkäuer kommen für dieses Beweidungsprojekt aus ganz Deutschland im Rhein-Pfalz-Kreis zusammen. Was zeichnet echte Bullen aus? Unserem Pächter, Herrn Engelhardt, gelingt es seit Jahren Jungbullen Schottischer Hochlandrinder von renommierten Züchtern zu rekrutieren. Sie werden zum Auftriebsfest gebracht und bleiben ein ganzes Jahr draußen in der Wildnis. Sie sind robust und genügsam, keine verhätschelten Stalltiere. Die Bullen kommen mit den Wetterkapriolen problemlos zurecht und werden groß und stark, ganz ohne Kraftfutter, sondern nur mit der Pflanzenmasse, die vor Ort gedeiht. So sind diese gutmütigen Vierbeiner saisonale Landschaftspfleger? Sie sind sogar manchmal Landschaftspfleger und Zuchtbulle in einem. Die wirklich guten Futterverwerter, diejenigen also, die am besten in dieser urigen Sumpflandschaft gedeihen, werden als Zuchtbullen selektiert. Im vergangenen Herbst wurde das Beweidungsprojekt im Wettbewerb „Landschaft in Bewegung“ preisgekrönt. Welche Bedeutung hat es für die Metropolregion Rhein-Neckar? Ja, die Auszeichnung durch den Verband Region Rhein-Neckar ist für unsere Naturschutzarbeit ein toller Erfolg. Tatsächlich ist unser Projekt vorbildlich für die Region. Einige Täler des Pfälzer Waldes werden auch wieder mit Vieh offen gehalten. Hier im Tiefland der Oberrheinebene muss man aber schon ziemlich weit fahren, um ein vergleichbar großes Weideprojekt zu sehen. Sie meinten kürzlich, was der „Zensus“ für die Einwohner ist, sei die „Bestandsaufnahme“ im Bruchgelände Limburgerhof. Können Sie das erklären?
Zu Beginn unserer Aktivitäten im Bruch hatten wir eine Bestandsaufnahme der Naturausstattung vorgenommen. Jetzt, nach fünf Jahren, wollen wir uns erneut einen Überblick verschaffen. Deshalb gehen Biologen in das Gebiet und kartieren erneut Pflanzen, Vögel, Amphibien und Insekten. Wir wollen belegen, wie gut sich die Natur entwickelt hat. Wie hat sich die Beweidung ausgewirkt? Was haben wir und die Hochlandrinder gut gemacht? Wo müssen wir etwas ändern oder wo sollen wir nacharbeiten? Wir wollen ja nicht nur viele „Neubürger“ im Bruch willkommen heißen, sondern auch die „Alteingesessenen“ nicht verlieren. Wie also der „Zensus“ die Wohnbedürfnisse der Bürger ermittelt, soll uns die Bestandsaufnahme helfen, der Artenvielfalt gerecht zu werden.
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