Roter Teppich für Limburger und Kenianer |
Als am 5. 5.1990 die Einweihung der neuen Kunststoff-Laufbahn im Waldstadion durch den damaligen Bürgermeister Heinrich Zier erfolgte, war dies der Schlusspunkt unter eine nicht leichte Vorbereitungs- und Bauzeit. Zier erinnert sich – mit einem Augenzwinkern – in seinem Buch „Limburgerhof von 1972 bis 2002 – Die Entwicklung einer jungen Gemeinde“: “Dass es auf einer Leichtathletikanlage Hürdenrennen gibt, ist bekannt. Dass es aber auch für den Bau manchmal einen Hindernisparcours zu bewältigen gilt, bewies das Anlegen einer Kunststofflaufbahn 1989. Eigentlich fiel „der Startschuß“ Anfang Februar mit dem Beschluss des Gemeinderates. Doch dann entwickelte sich durch fehlende Zuschussklarheiten und daraus resultierende Differenzen im obersten Gemeindegremium ein „Bummelrennen“. Das war keine gute „Renneinteilung“ für das 11. Gauturnfest mit 1000 Aktiven, denn bis Juni waren die Arbeiten nicht einmal begonnen. Auch der zweite Start im Juli musste abgebrochen werden. Druckversuche ergaben, dass der Untergrund der 30 Jahre alten Aschenbahn schwammig war. Ein Spezialzement sorgte für Stabilität, um den Tartanbelag aufbringen zu können. Am 15. November war Endabnahme der 830.000 Mark teuren Anlage. Zuschüsse gab es 150.000 Mark vom „Goldenen Plan“ und 75.000 Mark vom Kreis.“
|
Dafür ging es am ersten Wochenende richtig rund: Stadionfest mit Leichtathletik-Dreikampf und buntem Programm von DJK und TG 04 und nur einen Tag später luden die beiden Vereine ein zum 1. Nationalen Leichtathletik-Sportfest. Zahlreiche Athleten/innen der deutschen Spitzenklasse waren am Start und erzielten zum Teil noch gültige Stadionrekorde. Auf der Anlage können alle olympischen Leichtathletik-Disziplinen ausgetragen werden. Sie umfasst 6 Rundbahnen mit 400 m, 2 Halbkreise mit Wassergraben (für Hindernislauf), 2 Hochsprung- und 1 Stabhochsprung-Anlage, 1 Wurfring für Diskus/Hammer sowie 2 Anlaufbahnen Speerwurf, 2 Weitsprung-Gruben vor der Tribüne mit 3 Anlaufbahnen für Weit- und Dreisprung, 1 Kugelstoßanlage mit Tennenbelag und 3 Stoßringe. Der Unterbau der Bahn besteht aus einer auf einem Schotterbett verlegten Asphaltschicht. Darüber ist eine 10 bis 15 mm-starke Elastikschicht gegossen aus einem kunststoffgebundenem schwarzen Gummigranulat.. Die Nutzschicht aus rotem Tartan ist in einer Stärke von ca. 2 bis 3 mm aufgespritzt.
|
Der Benutzerkreis ist groß: DJK und TG 04, Sportunterricht Domholzschule, Bundesjugendspiele Grundschulen, Training und Abnahme Deutsches Sportabzeichens mit jährlich ca. 200 Sportler/innen von 8 bis 80, Ortsmeisterschaften oder Kreis-Schülersportfest. Daneben hat sich die TG 04 als Veranstalter von überregionalen Leichtathletik-Sportfesten etabliert. Rund 130 Mal konnten Sportler aus fast allen westdeutschen Bundesländern und dem Ausland, u.a. der Schweiz, Kenia, Jamaika und Frankreich, begrüßt werden. Darüber hinaus richtet der Verein Meisterschaftswettbewerbe von Kreis- bis zu Rheinland-Pfalz-Meisterschaften aus. Die Zeiten der mit Regenpfützen übersäten Aschenbahn waren mit dem Neubau vorbei. Davor fielen häufig Sportunterricht, Vereinstraining bzw. Sportfeste wegen der schlechten Verhältnisse aus. Der große Vorteil der Anlage besteht in der ständigen Verfügbarkeit. Regenwasser versickert schnell. Wegen der wetterfesten Markierungen sind keine Vorarbeiten notwendig. Für Tartan gilt eine Lebensdauer von 10 bis 15 Jahren. Jetzt ist nach 20 Saisons der „rote Teppich“ weitgehend abgetragen, stellenweise zeigen sich Risse. Zur Schonung der Elastikschicht und zur Vermeidung weiterer Schäden ist eine Erneuerung des roten Belages erforderlich. (Adolf Weber)
|
|