Wo das Tagpfauenauge sich wohlfühlt |
Tagfalter vermehren sich explosionsartig im von Hochlandrindern beweideten Bruchgelände Limburgerhof
|
Gezielte Maßnahmen zur Erhaltung der Schmetterlingsfauna sind in der Pfalz bisher nur ausnahmsweise durchgeführt worden. Von einer Vielzahl von Biotoppflegeeinsätzen konnten aber auch Tagfalter profitieren, obwohl sie meist nicht das eigentliche Ziel der Maßnahmen darstellten. Siegfried Filus, bei der Kreisverwaltung zuständig für Umweltschutz, Landespflege und den Biotopverbund, beschreibt die Entwicklung für das Bruchgelände Limburgerhof, das seit einem Jahr von schottischen Hochlandrindern beweidet wird. Der ganze Text wird von der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz (GNOR) in einem Tagfalterband veröffentlicht.
Biotopverbund im Rhein-Pfalz-Kreis Seit 1995 wurden vom Rhein-Pfalz-Kreis für Zwecke des Naturschutzes ca. 250 Grundstücke mit einer Fläche von ca. 125 ha erworben. Die meisten dieser Flächen liegen in Gebieten, in denen intensive landwirtschaftliche Nutzung vorherrscht. Je nach Standortbedingungen wurden und werden darauf vor allem Wiesen mit hohem Biotopwert und beträchtlichem Potential für den Artenschutz angelegt. Für die Einsaat wird vorwiegend autochthones Samenmaterial verwendet, das sowohl von Saatgutfirmen gekauft, als auch von Standorten im Landkreis gewonnen wird. Durch die reichhaltigen Blühaspekte finden sich ganz schnell Schmetterlinge ein, die das Nektarangebot nutzen.. Dabei handelt es sich zunächst um häufige Arten und solche mit Expansionsdrang. Die Weißlingsarten und Tagpfauenaugen (Bild) sowie Distelfalter sind meist schon während der ersten Blühphase anwesend. In der Folge erscheinen die Gelblinge und auch der Schwalbenschwanz ist bei den Pionieren dabei. Kommt das Ackerstiefmütterchen vor, stellt sich der Kleine Perlmutterfalter ein. Nach zwei Jahren sind die Flächen meist bereits als Wiesen anzusprechen und die Falter der typischen Biotopausprägung kommen. Von den Bläulingsarten erscheinen der Hauhechel-Bläuling und seltener der Rotklee-Bläuling. Der Kleine Sonnenröschen-Bläuling und der Kleine Feuerfalter sind auf den Sand- und Halbtrockenrasen typisch. Die Tintenfleck-Weißlinge , das Kleine Wiesenvögelchen, der Schwarzkolbiger Braun-Dickkopffalter, das Große Ochsenauge und das Schachbrett erobern die mittleren Wiesen. Auch seltenere Arten wie der Baum-Weißling oder der Mauerfuchs treten auf, und der Schwalbenschwanz hat sich etabliert. Liegen die Wiesen am Waldrand, wurden auch Kaisermantel oder der Pflaumen- und der Ulmen-Zipfelfalter entdeckt. Selbst das Braunauge konnte als Einzelfalter beobachtet werden. Die Wiederbesiedlung des Landkreises durch den Kurzschwänzigen Bläuling konnte ebenfalls dokumentiert werden.
|
Explosionsartige Vermehrung Anhand eines gut untersuchten Beispiels - dem so genannte 'Bruch' bei Limburgerhof - soll die erste Phase der Wiederbesiedlung einer Agrarfläche durch Tagfalter skizziert werden. Es ist ein etwa 80 ha großes Feuchtgebiet, das seit Jahrzehnten intensiv ackerbaulich genutzt wurde. Vor dem Kauf 2003 durch den Rhein-Pfalz-Kreis waren bereits große Bereiche stillgelegt und zum Teil auch als Viehweide genutzt. Kleinere Bereiche hatten schon Biotopwert. Hauptgrund für den Erwerb war die Sicherung des Gebietes für die reichhaltige Avifauna. Das Planungskonzept sieht im Wesentlichen eine großflächige, extensive Beweidung durch Rinder vor. Dabei kann sich das Vieh auf zwei ca. 30 und 40 ha großen Teilflächen frei bewegen. Der Charakter des Offenlandes soll weitgehend bewahrt werden. Das Leitbild sind Wiesen und Weiden nasser bis mittlerer Standorte, die von Gehölzformationen eingerahmt werden und von Tümpeln und Gräben durchsetzt sind. Die Begleituntersuchungen umfassen auch die Tagfalter. Auf festgelegten Strecken wurde 2004 Vorkommen und Anzahl der Tagschmetterlinge kartiert. 2006 wurde die Untersuchung wiederholt. Innerhalb des Untersuchungszeitraumes fand eine geradezu explosionsartige Verbreitung und Vermehrung einiger Schmetterlingsarten statt. Durch die ganzflächige Stilllegung und das weitgehende Unterlassen des Abhäckselns der Brachen konnten einige Pionierarten deutlich profitieren. Bemerkenswert ist insbesondere das verstärkte Auftreten des Tagpfauenauges. Wurden 2004 auf fünf Fundplätzen sechs Exemplare gefunden, so waren es zwei Jahre später 105 Individuen auf 56 Fundstellen. Als weitere Brennnesselfalter haben auch Kleiner Fuchs, C-Falter, Landkärtchen und Admiral deutlich zugelegt, wenn auch nicht so spektakulär. Auch Distelfalter (Bild) haben sich gegenüber der Ausgangszählung explosionsartig vermehrt (67 Ex. 2006).
Kohlweißling Spitzenreiter 2004 war der Kleine Kohlweißling mit 35 Fundplätzen und 61 Exemplaren der häufigste Falter. Dies wurde zunächst dem Umstand zugeschrieben, dass auf etwa einem Drittel der Fläche Raps angebaut wurde. Aber auch 2006 war P. rapae Spitzenreiter. Bei der Begehung wurden nun 175 Tiere gezählt. Und das, obwohl 2005 auf den ehemaligen Rapsflächen Getreide angebaut wurde und 2006 diese Flächen von ruderalen Arten dominiert wurden. Allerdings kamen die Rapspflanzen immer noch vor. Eine weitere Art, die deutlich zugelegt hat, ist der Faulbaum-Bläuling. Wurde er 2004 an sechs Fundstellen und in neun Exemplaren festgestellt, konnte er 2006 auf 25 Plätzen und mit 32 Individuen gefunden werden. Ursache dürfte sein, dass sich die Hochstaudenfluren, insbesondere mit verschiedenen Weidenröschen, prächtig entwickelt haben und nicht mehr abgemulcht wurden. Auch typische Wiesenarten haben teils beeindruckende Fortschritte gemacht. War der Schwarzkolbige Braun-Dickkopffalter 2004 gerade einmal in zwei Exemplaren gefunden worden, waren es 2006 an 20 Stellen 60 Falter. Kamen das große Ochsenauge und das Schachbrett mit der intensiven Bewirtschaftung gar nicht zurecht und fehlten zunächst vollständig, waren es im Jahr 2006 13 bzw. 39 Exemplare. Viele 'Allerweltsarten' unter den Tagfaltern fehlen im 'Bruch' noch, aber da die untere Naturschutzbehörde im Herbst 2006 zwei je einen Hektar große Wiesen eingesät hat, werden auch die Arten erwartet, die sich auf Schmetterlingsblütler entwickeln.
|
Mosaik verschiedener Lebensraumtypen In Limburgerhof ist es das Ziel der Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen sowie der extensiven Beweidung, in den nächsten Jahren ein Mosaik verschiedener Lebensraumtypen zu gestalten. Damit werden sich nach und nach alle häufigen Tagfalterarten des Vorderpfälzer Tieflandes einstellen. Schon jetzt erweisen sich die extensive Bewirtschaftung und die Entwicklung von Brachen als ein Segen für die Tagfalter.
|
|