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Zottelige Öko-Experten aus dem Hochland

Weide Schottische Hochland-Rinder sollen Bruchgelände wieder in Stromtalwiese verwandeln


Rinder sind die besseren Rasenmäher. Genutzt wird der Pluspunkt jetzt in einem Projekt, bei dem das Bruchgelände zwischen der Ortslage Limburgerhof und der B9 (Siehe Grafik) ökologisch aufgewertet, sprich wieder in eine ursprüngliche Stromtalwiese zurückverwandelt werden soll. Die Hauptrolle spielen dabei rund 35 schottische Hochlandrinder. „Regie“ führen der Diplom-Ingenieur Joe Engelhardt und der Rhein-Pfalz-Kreis als Untere Landespflegebehörde.

„Diese rund 86 Hektar, die wir 2003 von der BASF gekauft haben, sind in unserem Kreis das Areal mit dem höchsten Potential für eine ökologische Entwicklung,“ verdeutlicht die zuständige Kreisbeigeordnete Ursula Heberger. Mehrere Aufgaben und Ziele werden dabei gebündelt: Versickerungsfläche bei Hochwasser, Höhere Artenvielfalt von Flora und Fauna, Biotopvernetzung, Feuchtgebiete, extensive Landwirtschaft, vielleicht sogar ein bisschen Fördern des Tourismus. „Jeder ist Gewinner, der Nutzen aus dem Gebiet zieht,“ wirbt Heberger für eine breite Basis.

In die gleiche Kerbe schlägt Joe Engelhardt. Der Landschaftsplaner aus dem niederbayrischen Gangkofen, der sich auf naturnahe Begrünung, Ökoflächenbewirtschaftung und Regionalplanung spezialisiert hat, weiß aus Erfahrung:“ Naturschutz funktioniert, wenn alle ihn mittragen.“ Auf’s Rind gekommen, genauer gesagt auf’s schottische, ist er, weil diese Rasse ideale Merkmale aufweist für die Beweidung von Naturschutzgebieten. Leicht, klein und abgehärtet gegen alle Witterungsbedingungen des ganzen Jahres bieten die zotteligen Schotten vor allem noch den schon genannten Rasenmäher-Vorteil. Vom Fachmann für den Laien formuliert:“ Auf diese Weide kommen Highland-Bullen zwischen 12 und 18 Monaten. Die wiegen rund 200 Kilo und sind Fress-Intelligenz gesteuert,“ erklärt Engelhard lächelnd. „Das heißt, zunächst decken sie ihren Proteinbedarf und danach weiden sie so selektiv, dass sie sich einzelne Hälmchen auswählen.“ Das halte die Flächen offen und gebe vor allem seltenen Pflanzen, wie zum Beispiel der für den Standort Stromtalwiese typischen Herbstzeitlosen, Licht, Luft und eine Chance zum Wachsen. Anders als beim Mähen müsse zudem keine Bio-Masse entsorgt werden.

Unter ökologischen Gesichtspunkten sei es eine „Riesen-Spielwiese“ blicken Heberger und Engelhardt nach vorne, in die höchstenfalls steuernd, aber eigentlich möglichst wenig eingegriffen werden soll. Limburgerhof sei bundesweit ein herausragendes Projekt, sowohl was die schiere Flächengröße, als auch was das Entwicklungspotential angehe. Und das bei geringen Kosten und einem hohen Erlebniswert für die Menschen. Disneyland werde es natürlich nicht sein, so der Öko-Ingenieur, aber gerade in einem dichtbesiedelten Gebiet seien die urigen Gesellen mit den ausladenden Hörnern schon etwas besonderes, und es gebe immer etwas Interessantes zu beobachten.

Ein Aspekt, der Bürgermeister Dr. Peter Kern freut. Sieht er doch die Gemeinde durch dieses Projekt nachhaltig aufgewertet.
Naturexkursionen liegen ihm am Herzen, vor allem für die Kinder und Jugendlichen des Schulzentrums, das ja direkt an die eine Weidefläche angrenzt. Auch über einen Lehrpfad wurde schon nachgedacht.
Erstmals etwas zu sehen - in den letzten Wochen wurde lediglich die Zäune aufgestellt - gibt es ab Sonntag, 7 Mai, bei einem kleinen Auftriebsfest. Denn in die ökologische ist auch eine züchterische Aufgabe eingebettet, die ersten „Highland-Cattle-Outdoor-Championships“. Die Tiere, die von Züchtern aus dem ganzen Bundesgebiet stammen, werden jeweils am ersten Maiwochenende nach Messen und Wiegen auf die Weide gelassen. Dort bleiben sie ein ganzes Jahr, bei Wind und Wetter immer draußen, und werden nur bei hohem Schnee zugefüttert mit Heu. Ein „Hüter“ sieht regelmäßig nach dem Rechten. Nach zwölf Monaten halten wieder Maßband und Waage den Zuwachs fest. „Das ist ein züchterischer Bewerb mit Reiz. Denn es kommt wirklich auf die Tiere an und nicht, wer seine Rinder auf einer Ausstellung am besten präsentieren kann,“ betont Engelhardt. Zum 1. September jeden Jahres wird dann noch die Zuchteignung (Körung) bewertet.

Genießen die Vierbeiner bei all ihren ökologischen Vorteilen jetzt eigentlich eine lebenslängliche Schonzeit? Joe Engelhardt sieht das ganz realistisch:“ Die Tiere können schon alt werden. Aber wer einmal ihr hervorragendes Fleisch gegessen hat, wird zustimmen, dass es schade wäre, alle alt werden zu lassen.“

rinder

Ganz in ihrem Element: schottische Hochland-Rinder beim Grasen auf einer Ganzjahres-Weide.

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