2013 Rede zum Neujahrsempfang

Bauen am Glück aller

 

Mehr Gäste als je zuvor beim Neujahrsempfang

 

Bürgermeister lobt gutes Miteinander



Mehr Bürgerinnen und Bürger als je zuvor, nämlich etwa 600, waren der Einladung von Bürgermeister Dr. Peter Kern zum traditionellen Neujahrsempfang gefolgt. Zur Eröffnung gesellte sich der 11jährige Johannes Weber als kleiner Schornsteinfeger zu seinen vier „großen“ Kollegen. Mit seinen Versen („...zieht gemeinsam an einem Strang, dann ist uns um Limburgerhof nicht bang ...“) überraschte er das Publikum. Bäcker Peter Görtz, der die Brezeln sowie die Brote, die mit Hausmacher Wurst von der Metzgerei Hardt belegt waren, gestiftet hatte, überreichte eine große Neujahrsbrezel.
Eine bunte Gruppe von Sternsingern zusammen mit Pastoralreferentin Doris Heiner Heiner brachte den Bürgerinnen und Bürgern sowie dem Rathaus ihre Segenswünsche. Die Purzelgarde des 1. KVL begeisterte die Zuschauer.

„So sieht Zukunft aus!“ spannte der Gastgeber den Bogen zu seiner Neujahrsrede. Eine Dia-Show, unterlegt mit Klängen des Intermezzos aus „Notre Dame“, zeigte eindrucksvolle Impressionen aus dem Leben der Gemeinde. Für das Adventssingen mit Kindern in der Gemeindebücherei seit nunmehr 20 Jahren sprach der Bürgermeister Dr. Elmar Schöningh seinen Dank aus. Die Freiwillige Feuerwehr Limburgerhofs holte er komplett auf die Bühne und ehrte alle Feuerwehrleute „mit hoher Achtung und großem Respekt“ für ihr jahrelanges zuverlässiges und uneigennütziges Engagement für die Bürgerinnen und Bürger unserer Gemeinde. Das harmonische Spiel auf den zarten Veeh-Harfen unter der Leitung von Anne-Kathrin Raue mit Kindern und Erwachsenen zeigte auf musikalisch schöne Weise das Zusammenspiel der Generationen. Die Tanzformation der DJK bewies ästhetisches Können.

Höhepunkt waren die Liedvorträge des Startenors Volker Bengl („Freunde, das Leben ist lebenswert“, „Pfälzerlied“, „Ach, ich hab’ in meinem Herzen“, „It’s my way“ sowie „Kein schöner Land in dieser Zeit“), wobei er es fertig brachte, alle Anwesenden zum gemeinsamen eindrucksvollen Mitsingen des Volksliedes zu bringen.

In bester Stimmung bei interessanten Gesprächen klang dieser von vielen Bürgern als sehr gelungenen bezeichnete und Gemeinsamkeit stiftende Abend aus.
 

Die Neujahrsrede des Bürgermeisters



Meine Damen und Herren,

Limburgerhof ist 83 Jahre alt. Was glauben Sie, wie viele 83jährige Bürger wir in unserer Gemeinde haben? Es sind sage und schreibe 105. Davon 63 weiblich und 42 männlich. Mit Blick darauf kann man mit Fug und Recht behaupten, dass wir eine „gesunde“ Gemeinde sind. So haben wir in diesem Jahr auch sechs Über-100jährige, darunter 1 Mann. Sie sind alle bei bester Verfassung!
Das liegt sicherlich an vielen guten Faktoren, nämlich dass wir von Wald, vom Bruch und von Landwirtschaft umgeben sind, wo es sich trefflich spazieren und radeln lässt. Das liegt aber auch an hervorragenden Ärzten, der guten Arbeit der Sozialstation und einer Reihe anderer Gesundheitseinrichtungen. Wir als Gemeinde gehen dieses Anliegen offensiv an. Dabei habe ich gerne an das Projekt des Kreises unter dem Motto „Fit für den Wandel“ von Frau Patzelt angeknüpft. Es ist doch so: Dieses Leben – es ist für uns alle unwiederholbares Leben: für Kinder, für Junge und für die Älteren.
Deswegen arbeiten wir daran, dass unsere älteren Mitbürger, so lange es geht, ein selbstbestimmtes Leben führen können. Zum Beispiel mit unserer Netzwerkarbeit des Mehrgenerationenhauses. In vielerlei Weise wollen wir Stück um Stück Räume schaffen, in denen die Älteren in Begegnungen ihre Lust auf Leben, auf Sinnerfüllung verwirklichen können. Den Vereinen, den Kirchen, den vielen Initiativen bin ich sehr dankbar, dass sie mit großer Kreativität und Engagement solche Räume schaffen: musisch, kulturell, sportlich, spirituell, handwerklich, gesundheitlich und auch intergenerativ, also generationsübergreifend, damit eine Generation die andere achte. Ich kann nur raten, die Angebote anzunehmen. Alle haben etwas davon. Solange es nur geht, sollte sich keiner ausschließen.

Aufeinanderzugehen - Miteinandergehen
Die Kirchenmeile im letzten Jahr ist ein wunderbares Beispiel für „Aufeinanderzugehen“, nicht nur der Konfessionen, sondern auch der Bürger, Gruppen und Kreise. Zwei Kirchtürme, gleichzeitig verpackt , um erneuert zu werden – welch ein Glücksfall für Gelegenheiten des Miteinandergehens!
Unsere Sorge um alle Generationen gilt ganz besonders den Kindern und ihren Familien. Auch für sie ist die Zeit in unserer Gemeinde unwiederholbares Leben. Deswegen werden wir in diesem Jahr über 1,5 Mio. Euro in die Modernisierung der protestantischen Katharina-von-Bora-Kindertagesstätte, in das „Alte Rathaus“ und in das „Haus des Kindes“ investieren. Etwa 460 Kinder besuchen die Kitas der Kirchen und der Kommune – mehr als je zuvor.

Neues Kinder- und Jugendkonzept
Mit der Renovierung und Neugestaltung des ehemaligen Jugendzentrums und der darin beheimateten Jugendkunstschule sowie einem neuen Konzept der Jugendarbeit mit Musik, Theater, Kunst und vielem mehr, glauben wir, den Kindern und Jugendlichen Räume und Anregungen geben zu können, damit ihre Persönlichkeit im Getriebe dieser Welt verantwortlich und sinnerfüllt wachsen und sich entfalten kann. Wir stecken viele Hoffnungen da hinein und bitten die Älteren um Unterstützung – für unsere Kinder und Jugendlichen.
Trotz allem gibt es auch bei uns einen Rückgang der absoluten Kinderzahlen – wie überall in Deutschland. Denken Sie einmal: Letztes Jahr wurden bei uns 72 Kinder geboren. Das sind genau so viele Kinder wie in Limburgerhof zum Kriegsende im Jahr 1945, und damals hatte unsere Gemeinde noch nicht einmal die Hälfte der Einwohner wie heute!
Und dennoch haben wir Kinderzuwachs mehr als sonst. Nämlich in NO II und in dem neuen Wohnviertel an der Carl-Bosch-Straße. Es gibt doch eine Reihe von Zuzügen junger Familien, die häufig zwei oder sogar mehr Kinder haben. Oft hängt das mit der Arbeitsstelle in der BASF, im Agrarzentrum oder sonst in der Metropolregion zusammen. Wir können es beobachten, dass in Limburgerhof derzeit wahnsinnig viel gebaut wird. 80 Neubau-Anträge im vergangenen Jahr waren es, und noch mal 60 weitere Anträge, die häufig mit Erweiterungen von Häusern zu tun hatten. Übrigens das ist ein Ausschnitt dessen, was an Verwaltungsarbeit hier zu leisten ist, und wofür ich meiner Verwaltung danke.

Limburgerhof ist gefragter Anziehungspunkt
Sie sehen es ja selbst, das wir an allen Ecken und Enden versuchen, die Lebensqualität in Limburgerhof stetig zu verbessern. Limburgerhof ist offensichtlich ein gefragter Anziehungspunkt. Wir sind mit den Nebenwohnsitzen inzwischen 11 770 Einwohner. Die Nachfrage nach weiterem Wohngebiet ist groß. Räumliche Möglichkeiten würden sich auf unserer Gemarkung in Richtung Mutterstadt eröffnen.
Das wird sich noch deutlicher zeigen, wenn das Agrarzentrum beginnt, seinen Masterplan in Limburgerhof umzusetzen. Ein Forschungscampus ist geplant, ein neuer Wissensort der Innovationen mit höchsten Anforderungen, rund um das Thema Landwirtschaft, mit einer Infrastruktur, die womöglich weltweit ihresgleichen suchen und innerhalb der Metropolregion linksrheinisch mit geplanten 2300 Mitarbeitern und Gastforschern aus aller Welt neue Akzente setzen wird.

Globaler Forschungsstandort mit lokaler Lebensqualität
Als Carl-Bosch, der spätere Nobelpreisträger, vor nahezu 100 Jahren die sogenannte „Baracke“, ein schlichtes Gebäude, die erste „Versuchsstation“ draußen am „Schwarzen Weg“, errichtete – 2014 ist das 100jährige Jubiläum – ahnte wohl keiner, dass der „Limburger Hof“ Teil eines weltweit bekannten Namens, nämlich des „Agrarzentrums Limburgerhof“, werden würde. So ist Limburgerhof als Forschungsstandort in Zukunft ganz besonders global vernetzt. Ein Forschungsstandort, der jedoch lokal in seinem Umfeld für deren Mitarbeiter und deren Familien ein Zuhause sein will, in dem sich gute Lebensqualität entwickeln lässt. Damit müssen wir und wollen wir Schritt halten!

Dem Wandel politisch gerecht werden
Dem Wandel gerecht zu werden, dient auch die Arbeit der Politiker. Politik ist mit Entscheidungen verbunden. Viele Entscheidungen erweisen sich später als richtig. Manche als falsch. Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden, so sage ich manchmal. Manche Siege können sich in Niederlagen verwandeln, und aus manchen Neiderlagen können Siege werden.
Die Entscheidung des Gemeinderates um Altbürgermeister Heinrich Zier genau vor 30 Jahren, unserer Gemeinde mit dem Bau des Rathauses einen neuen Mittelpunkt zu geben mit diesem Kultursaal, dem Ärztehaus und dem Marktplatz, war wohl eine glückliche Entscheidung und strukturprägend sowie neue Chancen eröffnend für die Weiterentwicklung unserer Gemeinde. Es ist eine wirkliche Ortsmitte als Raum der Begegnungen für unsere Bürger geworden – wie heute abend. Lilo Salten mit ihrer „Kleinen Komödie“ war übrigens auch von Anfang an dabei.

Bester Weg zum Wohle aller
Um die Bürger, die Jungen, die Älteren geht es ja in allem: das Glück aller zu verfolgen. Daran arbeitet man ganz gewiss in Berlin, in Mainz, in Ludwigshafen und in Limburgerhof. Geld ist notwendig – 5 Jahre war unser Haushalt seit 2008 ausgeglichen – aber Geld ist nicht alles. Genauso wie die Politik, sie soll dem Wohl aller dienen. Genauso wie die Medien, sie sollen eigentlich der Information und der Transparenz dienen.
Das Ringen um den besten Weg zum Wohl aller ist also notwendig.
In Limburgerhof gab es im letzten Jahr etwas, was in der Bundesrepublik sicher nicht häufig vorkommt, nämlich in einem Jahr 2 Bürgerentscheide, denen 3 Einwohnerversammlungen vorausgingen. Beide Bürgerentscheide widersprachen im Ergebnis den Mehrheitsentscheidungen des Gemeinderates. Eigentlich ein Zeichen eines ausgeprägten Demokratieverständnisses der Limburgerhofer!

Beständige Freundschaften in gemeinsamem Europa
Bei allem Bemühen ist der Blick über den Tellerrand allemal gut, zuhause und darüber hinaus. Der Elysee-Vertrag, dessen 50. Jahrestag in zahlreichen Begegnungen in der Bundeshauptstadt gefeiert wird, findet große Beachtung bei den Bürgerinnen und Bürgern, die seit 38 Jahren die Partnerschaft zwischen Limburgerhof und Chenôve mit Leben erfüllen. Politiker – so ist das Leben – kommen und gehen. Die Freundschaften aber, die zwischen den Jungen und Alten unserer beider Gemeinden seit über einer Generation gewachsen sind, sind inzwischen innig und von großer menschlicher Beständigkeit. 16 mal werden wir in diesem Jahr zwischen unseren Partnergemeinden hin und her fahren, darunter auch viele Kinder, Jugendliche, Schüler und Sportler. Bei aller Fröhlichkeit in den Begegnungen haben wir aber auch

die schweren Zeiten, wie die der Verschleppung des Chenôver Bürgermeisters durch die Gestapo in das KZ Mauthausen, wo sich jegliche Spur bis heute verliert, nicht ausgespart. Und wenn wir nach unseren gemeinsamen Reisen in unsere Hauptstädte Berlin und Paris, Landeshauptstädte Mainz und Dijon und nach Straßburg, in diesem Jahr zusammen im April nach Den Haag, zum Internationalen Gerichtshof, nach Brüssel zur Europäischen Kommission und nach Luxemburg fahren, dann arbeiten wir mit an einem gemeinsamen Europa, das doch viel mehr ist als eine Währungsunion. Es ist eine Union der Kulturen, des Rechts und der Werte.
Und wenn wir uns in unserer Patenschaft zur Bundeswehr so viele Mühe geben – ich denke dabei zum Beispiel an die Verabschiedung der Soldaten nach Afghanistan oder in das Kosovo, bei der so viele Bürger die Gelegenheit zu Gesprächen mit den Soldaten suchten - dann ist das gelebte Verantwortung und ein großes Stück gelebter Humanität den jungen Menschen gegenüber, die einen schwierigen Dienst für unser Land tun.

Für eine gute Zukunft
So also grüße ich Sie alle an diesem Abend: in Freude, dass Sie gekommen sind! Ich will heute abend mit Ihnen zusammensein, auch ein bisschen mit Stolz erfüllt über unseren Ort, und über all das , was unsere Bürgerinnen und Bürger hier einbringen – in der Zuversicht, dass Limburgerhof eine gute Zukunft haben wird. Und in Dankbarkeit, dass ich als einer, der von Kind an hier aufgewachsen ist, meiner Gemeinde dienen darf.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen Glück, Zufriedenheit und vor allem Gesundheit, die wir doch alle brauchen !
Ich danke Ihnen!