2015 Rede zum Neujahrsempfang

Rede des Bürgermeisters zum Neujahrsempfang – Gäste aus Frankreich und buntes Programm

Bürgermeister Dr. Peter Kern konnte etwa 450 Bürgerinnen und Bürger begrüßen, unter ihnen Bürgermeister Jean Esmonin und Beigeordneten Bernard Buigues aus Chenôve, Vizepräsidentin des Landtages a.D. Hannelore Klamm, Bernhard Kukatzki MdL, Johannes Zehfuß MdL, Heinrich Zier, Bürgermeister a.D. und Ehrenbürger Limburgerhofs, Dr. Birgit Schneider, Standortleiterin des Agrarzentrums der BASF und Mundartdichter Paul Tremmel und viele andere.
Die Ansprache des Bürgermeisters:
„Manchmal“, so sagte mir eine ältere Dame bei einem meiner Geburtstagsbesuche dieser Tage, „meint man, die Welt sei im Wanken!“ Ja, wir sehen alle, wie zerbrechlich Frieden ist. Viel Würde auf dieser Welt wird mit Füßen getreten. Manches, was doch sehr gut war an Zusammenhalt der Menschen, wird gewaltsam zerbrochen. Alte Wunden werden aufs Neue aufgerissen. Die Rede davon, dass Gras darüber wachse, geht nicht auf.
Um die Gegenwart zu verstehen, muss man die oft so komplexe Vergangenheit kennen. Kennen, wie sich Konflikte hochschaukeln, wenn sich die Herzen nicht wandeln. Es ist viel Trost notwendig in diesen Tagen! Für uns, die wir in diesem Jahr 40 Jahre Partnerschaft mit Chenôve feiern, ist das Mühen um die Überwindung alter Vorurteile und die Freude über das Gelingen tiefer Freundschaft Erfahrung geworden. Eine Partnerschaft der Herzen ist langsam gewachsen. Sie kennt viele fröhliche Seiten und klammert dennoch das schwierige Erbe unserer beider Länder nicht aus. Viele in Limburgerhof haben sich in diesen schweren Tagen euch in Chenôve sehr verbunden gefühlt, Jean!
Chenôve, das ist eine lebensfrohe moderne Winzergemeinde, gelegen am Rande der alten wunderschönen burgundischen Herzogstadt Dijon. Das kann jeder empfinden, der einmal dort war!
Limburgerhof hat jedoch noch einen anderen Zugang zu einem Geist des konstruktiven guten Zusammenlebens. Weniger bezogen auf die verschiedenen Kulturen, als vielmehr bezogen auf die verschiedenen Herkünfte seiner Einwohner. Waren es ganz am Anfang die Mennoniten, die sich hier am Lauf der Römerstraße ansiedelten, so folgten um die Jahrhundertwende viele Ludwigshafener Facharbeiter, die zuvor aus der ganzen Pfalz erst nach Ludwigshafen gezogen waren, um dann in Limburgerhof ein Koloniehaus zu mieten. Später waren es die Donauschwaben, dann die Jugenddörfler, und wiederum später viele Forscher, Chemiker und Landwirte, aus ganz Deutschland, die hier Fuß fassten.
Heute ist die Gemeinde Limburgerhof, die ich gerne mit „Wohnen, Leben und Forschen“ umschreibe, ein begehrter Wohnort, den viele junge Familien zu ihrer neuen Heimat machen – übrigens oft mit mehr als einem Kind, worüber wir uns sehr freuen.
Die BASF mit ihrer ehemaligen „Versuchsstation“, dem heutigen Agrarzentrum, hat an der gesellschaftlichen Entwicklung einen ganz wesentlichen Anteil. Und viele ihrer Mitarbeiter, die in diesem Zeitalter der Globalisierung weltweit tätig waren oder noch sind, leben hier als Kosmopoliten in ihrer neu gefundenen Heimat, die für sie nun existenzieller Lebensmittelpunkt ist und häufig auch bleiben wird.
Mir als Bürgermeister geht es bei der Entwicklung der Gemeinde niemals um medialen Spektakel, sondern um das stetige verlässliche und behutsame Arbeiten an der Verbesserung der Lebensqualität aller Generationen. Dabei ist es sicherlich eine gute Grundlage, dass wir es politisch geschafft haben, seit Jahren ohne Unterbrechung einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen, was ja nicht vom Himmel fällt, sondern eine wohl abgewogenen Balance zwischen Investieren und Sparen bedeutet.
Aber die Finanzen sind ja bei Leibe nicht die ganze Wirklichkeit einer Gemeinde. Es kommt doch vielmehr darauf an, wie wir alle miteinander umgehen. Anders gesagt, was unsere Kinder in unserer Gemeinde lernen, sportlich, musikalisch, im Umgang auf der Straße. Ob sie eine „Freiheit ihrer Herzen“ entfalten können. Kinder lernen ja viel mehr unbewusst. In diesem Zusammenhang bin ich allen Bürgern dankbar, die sich am Ganzen, jeder an seinem Platz in unserem Gemeinwesen, aktiv beteiligen – auch zum eigenen Glück! Vereine, Fördervereine, Agenda, die Feuerwehr, der neu gebildete Arbeitskreis Asyl und viele viele andere arbeiten und flechten am Netz, das das Ganze tragen hilft. So lässt sich dann doch noch besser leben in Limburgerhof. Die 2 Hundertjährigen von den nunmehr 12.080 Bürgern in unserer Gemeinde sind ein beredtes Zeugnis dafür. „Lebensfreude, Achtung und Wertschätzung“, das sind die drei Begriffe, die ich in unserer Gemeinde mit Leben zu füllen versuche. Lebensfreude der Kinder, Achtung der Älteren, Wertschätzung dessen, was viele dem Ganzen schenken.
Die gemeinsamen 100 Jahre der Gemeinde Limburgerhof mit dem Agrarzentrum haben dafür gute Grundlagen geschaffen. Ältere erzählen, dass das Zusammenleben früher als geradezu familiär und äußerst gut nachbarschaftlich galt. Es gab in dieser Zeit besonders prägende Persönlichkeiten. Von dreien will ich erzählen, wie z.B. von dem katholischen Pfarrer Johannes Fink. Ihm lag das Menschliche. Einmal hatten ihm Limburger Buben aus seinem Pfarrgarten neben der Kirche Äpfel geklaut. Da hängte er ein Schild hin: „Gott sieht alles!“ Am nächsten Morgen hing ein neues Schild darunter: „Aber er verrät uns nicht!“ - Oder der legendäre Ökonomierat Schäfer, der viele Jahre den Gutshof der Versuchsstation geleitet hat. Er war deftig und gleichzeitig warmherzig. Meinem Vater, der damals auf dem Gutshof gearbeitet hat, hat er nach dem Krieg häufig frische Kuhmilch für mich mitgegeben. Gelegentlich genoss er als Schwabe einen guten Pfälzer Schoppen. Einmal, als es mehr als einer war, so erzählt man sich, tat er auf Schwäbisch den Ausspruch: „Wo’s Saufe oi Ehr isch, isch’s Kotze koi Schand!“ - Oder der legendäre Oberlehrer Edmund Gutwein, der Generationen von Limburgerhofer Schülern geprägt hat. Die Volksschule war damals eine Privatschule der BASF im Schlösschen. Und wenn er morgens von zu Hause die Parkstraße entlang kam, standen wir Jungen hinter der Gutshofsmauer und sahen sein Gesicht. Dabei entfuhr uns manchmal der Ausspruch: „Oh je, heit morge hot’sen widder geärgert!“ Das waren noch Zeiten, aber sie sagen im tieferen Sinn vieles über das gedeihliche Zusammenleben in unserer Gemeinde damals aus.
Das Capitol Kino gab es damals auch schon und es ist uns viel daran gelegen, dass es erhalten bleibt. Auch der Kultursommer am Schlösschen mit Christine Neubauer war ein großes Ereignis. Und wir sind dankbar, dass das 185 Jahre alte Schlösschen seiner vollkommenen Sanierung entgegen geht. Wer hätte vor 15 Jahren, als man das baufällige Gebäude von der BASF gekauft hat, gedacht, dass das gelingen wird. Eine Mammutaufgabe, die Heinrich Zier mit dem Förderverein und der Gemeinde in unermüdlicher Arbeit geleistet hat.
Für so vieles hätte ich den Bürgern an diesem Neujahrsempfang zu danken – übrigens auch meinen Mitarbeitern in der Verwaltung. Das geht heute aber nur allgemein. Einen hebe ich aber für viele andere heute Abend stellvertretend hervor: Thomas Streun. Er macht seinen Dienst schon 35 Jahre bei der Feuerwehr, davon fast zwei Jahrzehnte als unser Wehrleiter. Ihm und allen anderen jungen Menschen in unserer freiwilligen Feuerwehr danke ich herzlich!
Wie in Chenôve, das sich in den letzten Jahren städtebaulich von Grund auf wandelt und modernisiert, so arbeiten wir hier, Politik und Verwaltung, zusammen mit der Bevölkerung an der stetigen Modernisierung unserer Gemeinde – selbstverständlich auch der Verwaltung selbst. Manches von früher ginge heute nicht mehr. Ein kleines Beispiel, das mir Fachbereichsleiter Armin Luzinski erzählt hat. Es ging um die Ausstellung eines Reisepasses, damals mit der Schreibmaschine. Da passierte es, dass die Mitarbeiterin einen Pass ausgestellt und unter „Besondere Kennzeichen“ geschrieben hatte: „hinkt“. Als der Bürger sein Dokument abholte, überflog er es, lief dann ärgerlich vor dem Schreibtisch hin und her und sagte: „Hinkt? Schauen Sie, hinke ich vielleicht?“ Darauf antwortete die Mitarbeiterin: „Oh, entschuldigen Sie. Aber das haben wir gleich!“ Dann spannte sie den Pass in die Schreibmaschine ein und schrieb hinter das Wort „hinkt“ das Wörtchen „nicht“. Sodass nun im Pass stand: „Besondere Kennzeichen: Hinkt nicht“. Das würde heute nicht mehr so gehen!
Zum Schluss möchte ich Ihnen das „Gemälde“, das da oben auf der Bühne vor den Fahnen hängt, ihrer besonderen Beachtung empfehlen. Es ist ein Bild, das fünf- und sechsjährige Kinder unserer Malschule für uns heute Abend gemalt haben. Es ist für mich wie eine bildliche Zusammenfassung dessen, was ich mit meiner Rede eigentlich sagen wollte: Sieben Kinder teilten sich den Raum auf diesem breiten Papierstreifen. Dann legte sich eines nach dem anderen darauf. Daraufhin umfuhren die anderen dessen Körperumrisse. Jeder malte dann diese Umrisse so schön er nur konnte aus – so, wie es aus seinem tiefsten Inneren kam. Zusammen gibt dies ein wunderbares Bild, das bei aller Individualität der sieben Kinder doch eine lebensfrohes Ganzes geworden ist. Man spürt diesem Bild die Ursprünglichkeit und die sich dem Vertrauen in die Welt hingebende Arglosigkeit und Wehrlosigkeit der Kinder an. Und doch nehmen die Kriege dieser Welt auf die Kinder keine Rücksicht! Wir in Limburgerhof sind eine ganz kleine Gemeinde. Aber vielleicht können wir einen ganz kleinen Beitrag leisten für eine friedlich Zukunft der Kinder, draußen in der Welt und hier bei uns. Aus diesem Ziel folgt alles weitere.
Udo Jürgens sang noch vor wenigen Wochen folgende Worte: „Ich glaube, dieses Leben ist schön genug, bunt genug, Grund genug, um sich daran zu erfreuen!“
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein frohes und gesundes Neues Jahr 2015. Viel Glück!“
„Limburgerhof und Chenôve gehen neue Wege und werden zum Beispiel in Europa.“ Mit diesem Pressezitat fasste Chenôves Bürgermeister Jean Esmonin seinen Rückblick auf 40 Jahre erfolgreiche Städtepartnerschaft zusammen. Er dankte allen, die die verschiedensten Projekte und Veranstaltungen mit dem Ziel „dauerhaften Friedens“ durch Fantasie und Engagement tragen und unterstützen. Ganz im Zeichen der Freundschaft zwischen den Menschen stünden deshalb auch die Feierlichkeiten zum 40. Jubiläum, im Mai in Chenôve und im Oktober in Limburgerhof. Gleichzeitig gab er seiner Hoffnung Ausdruck, die Jugend beider Völker möge auf diesem Weg auch in Zukunft Verantwortung übernehmen.
Ein buntes Rahmenprogramm darf beim Neujahrsempfang nicht fehlen. Weihrauchduft lag in der Luft, als einige Gruppen Sternsinger unter Leitung von Pastoralreferentin Doris Heiner der Gemeinde Gottes Segen überbrachten, bevor die Klasse 2a der Domholzschule eine tolle Vorstellung präsentierte. Unter Leitung von Konrektorin Claudia Fiddicke sangen die kleinen Künstler über ihre Ferien und wie sie sich das „Land der tausend Träume“ vorstellen.
Einen Farbtupfer im Programm setzte die TG-Showtanzgruppe „Unpolished Saphires and Emeralds“, die das Publikum unter Leitung von Lara Bäumer und Sabrina Koob mit einem charmanten Tanz unter dem Titel „Silvesterfeuerwerk“ erfreute.
Den Schlussakkord setzten die „No Limits“, gemischter Chor des Gesangvereins MGV, unter Leitung von Matthias Eschli. Mit „Supertrooper“ von ABBA, „Major Tom“ von Peter Schilling und „An Tagen wie diesen“ von den „Toten Hosen“ begeisterten sie das Publikum, das sich schnell zum rhythmischen Klatschen mitreißen ließ und auch die Zugabe „Hail Holy Queen“ aus dem Musical „Sisteract“ mit verdientem Applaus quittierte.
Den Imbiß beim Neujahrsempfang hatten wieder Bäckermeister Peter Görtz und Metzgermeister Wolfgang Hardt gespendet.