2018 Eine Gemeinde ist immer die Arbeit von Vielen

Neujahrsempfang 2018 mit rund 500 Gästen und buntem Programm

 

Ein volles Haus nebst tollem Programm bescherten Gäste und Teilnehmer des Neujahrsempfangs 2018 Bürgermeister Dr. Peter Kern, der als Gemeindechef zum letzten Mal am Jahresbeginn in den Kultursaal des Ortszentrums eingeladen hatte. Der revanchierte und bedankte sich mit einer sehr persönlichen Ansprache, in der er in vielen Facetten den „inneren Reichtum“ Limburgerhofs und seiner Bürgerinnen und Bürger aufzeigte.

 

Die Rede des Bürgermeisters

 

Liebe Limburgerhofer, liebe Gäste!

 

Eine Gemeinde ist immer die Arbeit von Vielen. Die mitgeholfen haben, mitgedacht, mitentschieden, Freuden und ja, auch Leid miteinander geteilt haben. Denn keiner lebt sein Leben allein. Bei allem Individualismus, so sind wir einander doch auf Gemeinschaft gewiesen. Der Geist der Verfassung hat genau dieses als Ziel, dieses „Mehr“ an Gemeinsinn, Bürgersinn, Zusammenhalt, was weit über das rechtlich Geregelte hinausgeht. Deshalb war mir die Frage nach der „inneren Verfassung“ unserer Gemeinde immer die Leitfrage in allem Tun und Entscheiden. Wie gehen wir miteinander um? Was können die in Limburgerhof aufwachsenden Kinder, die doch noch so ungeschützt, so prägsam, so lebensoffen sind, in diesem Ort lernen? Und wie gehen wir mit den Älteren um, die doch auf ganz andere Weise als die Kinder Begleitung und Achtsamkeit brauchen. Und was tut ein jeder selbst für seine Gemeinde, seine Nachbarschaft, soviel in seiner Kraft liegt?

 

Limburgerhof wird gute Heimat

 

Wie sehr eigentlich auch das Glück und Wohlbefinden, ja auch die Gesundheit, die seelische Gesundheit damit zusammenhängt, wurde mir in vielen Gesprächen mit den Geburtstagskindern und Jubilaren, die inzwischen an die Tausend pro Jahr sind, deutlich. Man könnte auch sagen: wie sehr Limburgerhof den hier Wohnenden zur Heimat, zur guten Heimat geworden ist. Eine Donauschwäbin, 90 Jahre alt, erzählte mir ihr Leben, die schweren Jahre des Vertriebenwerdens, die Aufbauzeit, das Hausbauen, die Kinder, die Enkel – und wie sie jetzt doch in allem zufrieden ist, hier in Limburgerhof. Sie hat alles, sagt sie, was sie braucht. „Und es herrscht Frieden.“ Und dann aber offenbarte sie doch, wie sehr immer noch die Kindheitsjahre in ihr drinstecken, wie schön es damals war in ihrer Kindheitsheimat, vielleicht heute in der Erinnerung idealisiert, aber da ist noch immer eine Wehmut im Zurückdenken an ihre Kindheit, an die alte Heimat.

 

Gut angelegte Steuern – geordneter Haushalt

 

Weil die Kinderjahre so grundlegend und prägend für das spätere Leben sind, ist es richtig, dass die politische Arbeit der zurückliegenden Jahre ganz besonders den Einrichtungen Kindertagesstätten und Grundschulen galt. Denn das Leben der Kinder reicht weit in die Zukunft hinein. In eine Zukunft, die offen und doch auch so ungewiss ist, und von der wir hoffen, dass sie freundlich sei. So werden wir im Februar unsere neugebaute Kindertagesstätte am Hermann-Löns-Weg eröffnen. 2,5 Millionen. Gut angelegtes Steuergeld. Dann werden 520 Plätze in den Limburgerhofer Kindertagesstätten vorhanden sein, mehr als je zuvor; und aus jetziger Sicht ist davon auszugehen, dass jedes Kind einen Platz erhält. 200 Meter weiter ist die Erweiterung der Domholz-Ganztagsschule um zwei Säle, die Vergrößerung der Mensa aber auch die umfassende energetische Ertüchtigung fast abgeschlossen. Bleiben wir noch im Hermann-Löns-Weg, so erfüllt sich dort auch noch ein lang gehegter Wunsch, nämlich die Entstehung eines neuen Sportgebäudes im Stadion. Alles kostet viel Geld. Manches musste warten, weil nicht alles auf einmal geht. Trotz dieser gewaltigen Baumaßnahmen konnte in Zusammenarbeit aller Bürger und Politiker ein Haushalt erarbeitet werden, der die Eigenschaft von kontinuierlicher Besonnenheit in sich trägt. Es gelang nämlich, für die Investitionen von insgesamt 18,2 Millionen Euro in den letzten 7 Jahren keine Kredite aufnehmen zu müssen und gleichzeitig sogar Schulden abzubauen – will letztlich sagen: Wir haben in Limburgerhof einen geordneten Haushalt.

 

 

Ausgeprägte Alterspyramide

 

Ich kann mich noch gut an meinen Anfang vor 16 Jahren erinnern. Eine meiner ersten Entscheidungen war: für behinderte Menschen am Burgunder Platz die Treppenstufen mit einem Geländer zu versehen und durch die breiten Stufen eine Schräge, eine Rampe zu bauen. Ich staunte nicht schlecht, wie diese beiden Rampen bald besonders den Senioren das Glücksgefühl gaben, den Burgunder Platz endlich mit großem Schwung in lebensfroher Freiheit auf dem Fahrrad ohne Abzusteigen zu durchqueren. Ja, die Älteren bei uns in Limburgerhof: Es muss an der guten Luft liegen, die vom Mutterstadter Wald herkommt, dass es vielen sehr, sehr gut geht. Das beweisen auch die Zahlen. Wir haben es sicher in Erinnerung: Wenn früher jemand 70 war, war er schon sehr alt, und 80, das war uralt und gab‘s nicht so oft. Und in solchen damals noch nicht so häufigen Fällen war meist eine große Geburtstagsfeier in den „Dreizehnlinden“ oder im „Gasthaus Limburgerhof“, das es ja leider nicht mehr gibt, angesagt. Und heute? In der Lebensspanne von 80 bis 89 Jahren können wir 836 Bürgerinnen und Bürgern gratulieren. 90 bis 99-Jährige sind es 157. Eine Bürgerin freut sich auf ihren 100. Geburtstag, zwei auf ihren 101. und zwei Bürgerinnen auf ihr 102. Wiegenfest! Das sind doch sehr viele und – wie ich immer staune - ganz häufig sehr fitte Senioren. Oder nochmals anders gewendet: So alt wie die Gemeinde, nämlich 88 Jahre, sind 73 Bürgerinnen und Bürger, 26 Männer und 47 Frauen. Den 103 in Limburgerhof angekommenen Neugeborenen, eine für das letzte Jahrzehnt im Durchschnitt recht hohe Zahl von Neugeborenen, die wir übrigens jedes halbe Jahr mit einem sogenannten „Schnullertag“- wie ich ihn nannte -  mit ihren Eltern begrüßen - entsprechen exakt 103 Bürger im Alter von 83 Jahren. Viele der Älteren, auch einige über 90jährige fahren noch mit dem Auto, täglich, bis fast an die Bäckerei. Das was man Alterspyramide nennt, hat bei uns die Form eines Dudenhofener Spargels. Noch eine Zahl: Sie möge uns Männer nicht traurig machen, sondern anspornen, uns mehr anzustrengen. Bespiel der Jahrgang der 94jährigen: 28 insgesamt, davon 24 Frauen und vier Männer. In diesem Zusammenhang eine Begegnung beim Geburtstag: Eine ältere Dame erzählte mir, dass sie gefallen sei, beide Unterarme gebrochen habe, und buchstäblich nichts mehr machen könne. Und wie sehr sie jetzt auf ihren Mann angewiesen sei. Worauf er ihr entgegnete: „Und deswegen soll man seinen Mann nicht zu Tode ärgern!“

 

Die Älteren zu achten, war mir in meinem Denken, Tun und Entscheiden meine grundlegende Haltung – genauso wie das Hegen und Pflegen der Kleinsten und Jüngsten. Daraus, so meine ich, ergibt sich dann alles andere.

 

Spannend, erfrischend, herausfordernd

 

Um Limburgerhof im Innersten zu verstehen, das Spannende, Erfrischende, aber auch manchmal sehr Herausfordernde, muss man sein Entstehen kennen. Es fing alles an mit der sogenannten „Arbeiterkolonie“ im Jahr 1900. Da suchte die BASF Wohnraum für ihre Arbeiter. Warum in LImburgerhof? Weil es schon früh den Bahnanschluss gab. Und der Grund und Boden, Mutterstädter, Schifferstädter oder Rheingönheimer Bauern gehörend, war noch äußerst billig. Um den Bahnhof herum gab es schon eine Ansiedlung von Mutterstädter Pendlern in die Stadt. Es kam dann 1914 zur Versuchsstation durch Carl Bosch, die zu einem Agrarzentrum von heute über 1600 Mitarbeitern heranwuchs. Ein Chemiker, der in den 70er Jahren für die BASF in Japan arbeitete, erzählte mir, wie er dort von seinem Firmensitz „Ludwigshafen“ sprach, und kein Mensch wusste, wo Ludwigshafen in Deutschland läge. Als er jedoch „Limburgerhof“ nannte, hellten sich die Gesichter der Japaner auf: „Ach so, Limburgerhof, Ludwigshafen bei Limburgerhof…“, das kannte man. Tatsächlich statteten 1928 sogar der König und die Königin von Siam, heute Thailand, Limburgerhof einen Besuch ab. Es gab später Jahre, da kamen 12 000 Interessierte pro Jahr zur Versuchsstation. Und es kamen natürlich auch die Chemiker und Agrarwirtschaftler. Limburgerhof galt als Geheimtip zum angenehmen Wohnen unweit der „Anilin“. Der Gutshof wurde abgerissen, was man heute sicher nicht mehr machen würde, und neue hochwertige Wohngebiete entstanden. Was Heinrich von Brunck als „Anilin-Familie“ bezeichnete, galt auch für Limburgerhof. Da war viel Kitt des Zusammenhalts und der guten Nachbarschaft zwischen Arbeitern und Akademikern. Natürlich, was damals für heutige Verhältnisse spottbillig zu bauen war, und in den Aufbauzeiten von den jungen Familien nur mit viel Fleiß und Sparsamkeit möglich war, kann heute manchmal zum 20fachen verkauft werden. Die Alten sind gestorben, die Jungen sind berufsmäßig längst woanders seßhaft geworden, und so werden heute viele Immobilien verkauft an wiederum junge Familien, von irgendwo her. Was man heute „Gentrifizierung“ nennt, ist Limburgerhof nicht allzu fern. Nämlich, dass der Wohnraum für viele hier nicht mehr bezahlbar ist. Die Anziehungskraft Limburgerhofs mit seiner attraktiven Infrastruktur, und die Wünsche, gerade hier ansässig zu werden – das beweisen die vielen Anfragen, die bei uns in der Verwaltung ankommen – sind sehr groß. Umso erfreulicher ist es, dass die BASF an ihrer Strategie, die noch immer etwas mit der alten Verbundenheit mit Limburgerhof zu tun hat, festhält und das 60 Jahre alte „Jugenddorf“ entkernt, erneuert. Die Nachfrage ist jetzt schon groß. Ältere wollen aus ihren großen Häusern ausziehen und suchen kleinere Wohnungen, wo nicht auch noch der Garten bewältigt werden muss, barrierefrei und von viel Grün umgeben. Genauso wie auch jüngere Singles und Familien. Das soll es im Stück um Stück im erneuerten Jugenddorf geben.

 

 

Die Kostbarkeiten

 

Mit dem „Jugenddorf“ bin ich bei dem, was diese Gemeinde an Kostbarem in sich trägt. Da gab es eben dieses „Jugenddorf“, durch dessen Räume mehrere Tausend Jugendliche, Auszubildende gegangen sind, ein großer Teil der heutigen Bürger Limburgerhofs. Kostbar durch den Geist, den der damalige Präsident des Jugenddorfwerkes Arnold Dannenmann mit dem Motto umschrieb: „Keiner darf verloren gehen.“ Daraus erwuchsen auch die sportlichen Erfolge der Volleyballer unter Werner Lohr, die 1958, also genau vor 60 Jahren Deutscher Meister wurden. Damals eine Sensation. Teilnehmer dieser Mannschaft mit Fritz Buch sind heute Abend unter uns. 

 

Prägende Kostbarkeiten Limburgerhofs, Kostbarkeiten, die die menschlichen und tieferen Seiten dieser Gemeinde geprägt haben und noch prägen: diese nachhaltige Ökumene der beiden Pfarrer Jung und Finck im und nach dem Krieg. Dieser Geist des Brückenbauens. Auch einige Jubiläen verdeutlichen dies konkret: 25 Jahre Partnerschaft der Domholzschule mit dem afrikanischen Kigali in Ruanda, ein Werk, das besonders Gertrud Page gebaut hat. 20 Jahre „Opas für Enkel“, die Montag für Montag an den 26 Kinderspielplätzen unserer Gemeinde schweißtreibend Hand anlegen – übrigens jedoch derzeit leider keinen Nachwuchs mehr finden. 20 Jahre Kleiderkammer, Arbeit von fünf Damen für viele gute Zwecke. 75 Jahre Siedlergemeinschaft, ein besonderer Ausdruck von Zusammenhalt. Sie mussten noch für Straßenbeleuchtung, Kanal- und Straßenbau in den ausgehenden 40er Jahren kämpfen. Dort, in der „Waldsiedlung“, wo wir Buben und Mädels in den Bombenlöchern des Böhlgrabens schwimmen lernten und, wie wir uns heute erinnern, herrlich warme Sommertage und bitterkalte Winter erlebten.

 

 

Mit langem Atem gegen den Strom

 

Manchmal braucht es auch die Bürgermeister dafür, gegen den Strom zu schwimmen und dabei einen langen Atem zu haben. Ich denke zum Beispiel an die Sanierung des Schlösschens im Park, die Heinrich Zier zusammen mit Bürgern angepackt und durchgezogen hat. Oder auch mein Mühen um die Selbständigkeit unserer Gemeinde. Wieviel Gegenwind gab es in beiden Angelegenheiten. Und so ist es erfreulich, dass manche der Gegner von damals das Schlösschen jetzt als „Gute Stube“ nutzen. Und – um ein zweites Beispiel zu nennen - das Selbständigbleiben Limburgerhofs inzwischen auch zu ihrer eigenen Haltung gemacht haben. Das zeigt übrigens, dass Demokratie auch Umdenken heißen kann.

 

Daher – und da komme ich zu meinem Anfang – ist die „innere Verfassung“ einer Gemeinde, wie also die Menschen miteinander umgehen, was sie für ihre Gemeinde, in der sie selbst leben, übrig haben, sicher noch wichtiger als die Gebäude, die gebaut wurden. Wenn wir aus der Schulzeit erzählen, dann sicherlich doch nicht von dem Zustand der Gebäude, sondern von den Lehrern, ihren Eigenarten, und wieweit sie uns gestärkt haben im Größer- und Erwachsenwerden.

 

Deshalb ist es so wichtig, und darum ging es mir auch immer wieder in den Begegnungen mit den alten und den neuen Bürgern, dass sie diese Kostbarkeiten, wie ich sie nenne, auch wahrnehmen. Ich zähle dazu beispielsweise auch unsere Wachkomastation, wo Menschen fachmännisch und mit viel Liebe wieder zu mehr lebenswertem Leben erweckt werden. Was das für sie und die Angehörigen bedeutet! Und auch für eine Gemeinde, dass es in ihr solch ein wertvolles Kleinod gibt. Oder auch die neuerrichtete Tagespflege. Das sind alles Bausteine, die besonders dann lebendig werden und ausstrahlen, wenn sie nicht abgeschottet vom Leben der Gemeinde sind, sondern den Zuspruch und den Austausch vieler Bürgerinnen und Bürger erfahren. Zu diesen Kostbarkeiten gehören auch die indischen Schwestern, die in vorbildlicher Mitmenschlichkeit für Mitmenschen, welche nicht mehr so viel Kraft haben, sorgen!

 

Limburgerhof, das ist mehr als gutes Wohnen und Einkaufen. Vieles wäre noch zu nennen, wie zum Beispiel die prächtige Entwicklung des Kinos, die ambitionierten Konzepte der kulturellen Angebote im Kultursaal, im Schlösschen oder jetzt auch in der Kapelle im Park. Auch die Erfolge der so vielen Kinder und Jugendlichen im musikalischen und sportlichen Bereich. Ja überhaupt die immense Jugendarbeit in vielen Vereinen, die generationenvernetzende Arbeit im Jugendkulturzentrum. Allesamt die Menschen in die Zukunft hinein stärkende Initiativen und Mühen, die dazu noch weitgehend ehrenamtlich geleistet werden. Es ist so wichtig, dass diejenigen, die dieses alles machen, Wertschätzung und Dank, ja Dank erfahren – immer wieder!

 

Den Lebensfrieden stärken

 

Es gehört aber auch in diesem Zusammenhang dazu, zu wissen, dass wir nicht auf einer Insel in dieser Welt leben. Nicht nur die vielen Mitarbeiter der BASF, die in Limburgerhof wohnen und oft weltweit agieren, wissen, dass wir – sogar mit unserem Limburgerhofer Haushalt - in große, letztlich globale Rahmenbedingungen verflochten sind. Bedingungen, die sich, wie derzeit sehr anschaulich zu sehen ist, sehr schnell ändern können. Daher halte ich alles das, was wir hier im Ort im Kleinen, aber auch im Großen für einen – ich nenne es – „Lebensfrieden“ tun können, für lebenswichtig. „Frieden“ ist übrigens das am häufigsten gebrauchte Wunschwort der Schülerinnen und Schüler unserer Grundschulen, die sie mir auch in diesem Jahr schriftlich übermittelt haben. „Frieden“, und nicht das Wort „Glück“ übrigens, welches wir Erwachsene so gerne gebrauchen. Vielleicht können wir da von ihnen lernen, von einer unausgesprochenen Solidarität der Kinder dieser Welt füreinander. Das moderne oft eigensüchtige „Ich“, „Me first“, „We first“ zu öffnen in die Weite eines solidarischen „Wir“, eines europäischen, ja globalen „Wir“. Um diesem alteuropäischen Projekt der Aufklärung, das in Frankreich mit „la lumière“, „Licht“, umschrieben wird, aus der – wie Kant sagen würde – „selbstverschuldeten Verkehrung“ heraus wirklich zum Durchbruch zu verhelfen. Die Kraft nicht im fundamentalistischen und populistischen „Massen-Wir“ zu suchen, sondern im anteilgebenden und einander Würde schenkenden „Wir“. Solche Zukunft: Die Erde würde hüpfen vor Freude!

 

Lokaler Weg in die Zukunft

 

Das ist es, was wir im kleinen Dialog mit unserer Partnergemeinde Chenôve in Burgund längst entdeckt haben. Es ist darum eine sehr lebhafte, voneinander lernende und verändernde und - wie ich meine - kostbare Verbindung. In der über 40 Jahren währenden Städtepartnerschaft glaubten wir vor einiger Zeit das Mühen um Versöhnung als inzwischen gleichsam vollzogen – und spüren doch gerade in diesen Tagen, wie gefährlich nah altes Denken in Kategorien von Revanche, von Nationalismen oder der neuen Suche nach Sündenböcken wieder sein kann. Auch das Finden der Stätte, wo sieben blutjunge Menschen in den Tagen des Krieges am Kohlhof zu Tode gekommen waren durch ihre Angehörigen aus England, Kanada und Neuseeland machte uns allen deutlich, dass am Ende niemand gesiegt hat. Und dass der Blick von außen in dieser Partnerschaft uns lehrt, wie gleich sich doch die Menschen sind, in der Freude, wenn Kinder geboren werden und wenn sich neues Leben und Vertrauen in den jungen Familien entwickelt, wenn die Alten einen friedvollen Lebensabend haben dürfen, wissend, wie zerbrechlich der Frieden ist. Oder wie gleich der Schmerz der Mütter ist, wenn sie im Krieg auf beiden Seiten um ihre Söhne trauern. Darum wünsche ich mir, dass mehr Limburgerhofer an dieser Partnerschaft mit ihren Kindern teilhaben, ganz bewusst als einer der lokalen Wege in die Zukunft.

 

Vieles konnte ich in der recht kurzen Zeit nicht ansprechen. Wahrscheinlich wäre ich aber dann ins Schwärmen geraten über so vieles, was ich vom inneren Reichtum dieser Gemeinde und seiner Bürgerinnen und Bürger erfahren durfte. Danken möchte ich von Herzen ihnen allen für so Vieles. Manches kann ein Bürgermeister anstoßen. Nicht alles kann gelingen. Am Ende bleiben die einfachen Dinge des Lebens, die uns geschenkt werden. Danken möchte ich meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Verwaltung. Durch Pensionierung, Verrentung oder Erziehungsurlaube sind es derzeit 10 junge Mitarbeiter, die sich in die vielfältigen Aufgaben unserer Gemeinde einarbeiten. Es ist immens viel zu tun, und wir wollen für den Anfang des neuen Bürgermeisters gut gerüstet sein. Danken möchte ich heute Abend auch meiner Frau, die 16 Jahre im Schönen und auch im Schwierigen alles mit mir mitgelebt und mitgetragen hat. Dem neuen Bürgermeister und uns allen wünsche ich Frieden, zuhause und in der Welt, Gesundheit, Gesundung, und mögen Sie glücklich sein! Und Gottes Segen!

 

Junge und ganz junge

 

Eingerahmt war Kerns Rede von einem bunten Programm, das schon traditionell auch von jungen und ganz jungen Akteuren getragen wurde. Dafür gab es viel Applaus vom Publikum, darunter Landrat Clemens Körner und Beigeordnete des Kreises, Limburgerhofs Ehrenbürger Heinrich Zier, Bürgermeister der Nachbargemeinden sowie Beigeordneten und Gemeinderäten aus Limburgerhof. Gekommen waren auch Vertreter aus Kirchen, Vereinen, öffentlichen und sozialen Einrichtungen, Handel und Gewerbe. Als Start in das Rahmenprogramm legte die Purzelgarde des 1. Karnevalvereins einen flotten Gardetanz auf's Parkett. Zusammen mit den „Glücksbringern“, den Schornsteinfegermeistern Georg Magin, Dominik Seidl und Michael Fußer, begrüßte Kern seine Gäste und stieß mit einem Gläschen Sekt auf das Wohl der Gemeinde an. Mit dabei war Metzgermeister Wolfgang Hardt, der Kern, als Ergänzung zu einer von Bäckermeister Peter Görtz gespendeten Riesen-Brezel, mit Hausmacher Würsten bedachte. Kaplan Thomas Ott begleitete die Sternsinger. Stolz verkündete er, dass 22 Gruppen über 15.000 Euro für kranke Kinder in Guatemala sammeln konnten. Es folgte eine Foto-Show mit Impressionen aus dem Leben der Gemeinde im Jahr 2017, verknüpft mit Aufnahmen des Ortes aus vergangenen Tagen. Anschließend genoss das Publikum eine selbst choreografierte Tanzdarbietung von Lara Baeumer und Sabrina Hoock von der Turngemeinde 1904. Als Höhepunkt des Abends trat Startenor Volker Bengl auf. Kern begleitete ihn am Flügel. In „Ach ich hab in meinem Herzen“ und „My Way“ harmonierten die beiden prächtig und gaben bekannt, wieder an ein gemeinsames Muttertagskonzert zu denken. Beim abschließenden Volkslied „Kein schöner Land“ sang alles im Saal mit. (dkr)