Erinnerungen an den Bahnweiher

Karl Drost erzählt

Geschichte
Der Bahnweiher entstand beim Bau der „Ludwigsbahn“ zwischen der Rheinschanze und Saarbrücken (Planung 1837).
Erbauer der Ludwigsbahn war der pfälzisch-bayrische Eisenbahnpionier Paul Camille von Denis. Ihm gehörte auch die Villa auf der Rehhütte.
Geographische Lage
Der Bahnweiher war begrenzt im Norden von der Hans-Sachs-Straße, im Osten vom Mühlweg, im Süden von der Bahnlinie und im Westen vom Hermann-Löns-Weg. Zwischen den Häusern der Hans-Sachs-Str. und dem Weiher verlief ein unbefestigter Trampelpfad.

Das Biotop
Der Weiher war ein einzigartiges Biotop. An seinen Rändern wuchsen alte knorrige Akazien, mächtige Weiden und im Kriege ange-pflanzte Maulbeerbäume. Die Flachzone des Weihers war mit breit-blättrigem und Rohrschilf bewachsen. Im Sommer war der Weiher großflächig mit Schlingpflanzen zugewuchert. Das Gewässer war ein idealer Lebensraum für allerlei Fische, Frösche, Salamander und div. Wassertiere. Bunte und schillernde Libellen schwebten umher und Wasserreiter zogen über die Wasserfläche. Tagsüber flitzten die Schwalben mückenfangend über die Wasserfläche, um bei Einbruch der Dämmerung den Mauerseglern Platz zu machen. Im Rohr brüte-ten Rohrdommeln und Blesshühner. Die Luft war ständig von einem Summen, Zirpen und Zwitschern erfüllt. Neben den Hausenten und Gänsen waren auch zeitweise einige Schwäne zu bewundern.

Der Badeweiher
Obwohl der Weiher an seiner oberen Grenze als Schuttabladeplatz genutzt wurde, haben wir als Kinder im südlichen Teil gebadet. Mancher Junge und manches Mädchen hat im seichten Wasser des Weihers die ersten Schwimmversuche gestartet. Auch so manche Bootspartie mit der Badewanne oder dem selbstgefertigten Floß wurde auf dem Weiher unternommen.

Das Eisstadion
Im Winter verwandelte der zugefrorene Weiher sich zum Eisstadion. Kaum war das Eis dick genug, tummelten sich zahlreiche Schlitt-schuhläufer auf der natürlichen Eisfläche, um in weiten Bögen ihre Kreise zu ziehen. War einmal Schnee auf der Eisfläche, wurde ein Spielfeld freigeschoben, um anschließend ein zünftiges Eishockeyspiel durchzuführen. Zwei Schulranzen bildeten die Tore, eine leere Milchdose den Puck. Die Hockeyschläger, Marke Eigenbau, waren meistens aus Haselbuschstöcken hergestellt. Wer keine Schlittschuhe hatte, schlitterte einfach auf den oft mehrere Meter langen „Glinnern“ über das Eis. So bot der Weiher zu allen Jahreszeiten für Jung und Alt Erholung, Spaß und Freude. Mit dem Zufüllen und späteren Bau der Unterführung verschwand diese Idylle.